Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 erste, welche ihn durch einen Steinwurf an der Stirne verletzte und immerfort schrie: „Diesen Juden muss man erschlagen!M Der Zeuge erlitt mehrere Beinbrüche und ist infolge dieser Misshandlungen acht Wochen krank gewesen. Kleiderhändler Z i e g 1 e r deponierte über die bei ihm erfolgten Kleiderplünderungen. — Zeuge Messer bezeichnete den Gerichtsdiener Mazurkie wicz und den Agenten der Versicherungsgesellschaft „Dniestr" Onyskiewicz als diejenigen, welche die Steine werfende Rotte anführten. — Zeuge Israel Blankenhammer sagt belastend für den Gemeindepolizisten Pirozek aus, der sich an den Exzessen gegen die Juden beteiligt hatte. Dieser leugnete und meinte, es wäre vielleicht ein anderer Polizeimann gewesen, der mit den Exzedenten fraternisiert habe. — Zeuge Elias Brünn erzählte, mit welcher Wut zahlreiche Uhnower Einwohner sich auf den armen kranken Juden R u p p gestürzt haben, den sie windelweich prügelten, bis er bewusstlos zusammenfiel. Insbesondere habe Feuerwehrmann Czyrkowski mit einer Hacke auf Rupp losgeschlagen. — Zeuge Josef Konstantyn sagte aus, dass der Angeklagte Iwan Rojko in einer Schenke Branntwein getrunken habe, ohne zu bezahlen, und dafür sich hinausbegeben habe, um die Fensterscheiben des Schanklokals zu zertrümmern. Der Zeuge habe diesen liebenswürdigen Gast verfolgt, sei aber von Rojko geschlagen worden. Dabei wurde auch ein Kind des Zeugen verletzt. Die Aussagen der Chana Nebel, Rosa Horszowska, Jetti Judenberg und vieler anderer jüdischen Frauen enthalten Details ihrer Misshandlungen. Die Angeklagten, denen diese gravierenden Aussagen vom Vorsitzenden vorgehalten worden, leugneten rundweg alles. — Zeugin Frieda Z i m m e t teilte mit, sie habe gesehen, wie der ihr wohlbekannte Angeklagte G i 1 y k dem Osias Judenberg mit solcher Wucht mehrere Schläge ins Gesicht versetzte, dass derselbe zu Boden stürzte. — Staatsanwalt Ritter v. Zakrzewski: Nun, Gilyk, wie war das? — Angeklagter Gilyk: Ich erinnere mich nicht daran. Einzelne Angeklagte, denen verschiedene Gewalttätigkeiten vorgeworfen werden, behaupteten allen Ernstes, ihre Doppelgänger müssten dies getan haben. Staatsanwalt Ritter v. Zakrzewski begründete die Anklage wegen der Exzesse gegen die Juden in Uhnow und brandmarkte die Art, wie sich die Beschuldigten verantworteten. Der Vertreter der Privatbeteiligten, Dr. Mild wurm, unterstützte die Anklage, schildert die erschreckliche Notlage der jüdischen Bevölkerung in Uhnow und bezeichnete die Uhnower Exzesse als ein neues Blatt des jüdischen Martyrologiums. Der Anwalt der Beschädigten wies nach, wie unstichhältig und unsinnig das Ge-