Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 fanden sich auch Weiber und Kinder. Um den fliehenden Juden, auf den von allen Seiten losgehauen wurde, zu retten, trat Zwolinski der Menge entgegen, wurde aber von dieser umringt und in eine Seitengasse gedrängt, damit er nicht etwa Gendarmen zu Hilfe rufe; seine Bemühungen, Klein aus den Händen der wutentbrannten Exzedenten zu befreien, blieben erfolglos. Inzwischen rissen zwei Individuen Fensterrahmen an Häuser von Juden heraus. Die Menge schritt weiter und machte vor der Wohnung Zwolinski's Halt. Hier wurden aber Fensterscheiben nicht zertrümmert, trotzdem Juden daselbst auf dem Balkon Zuflucht gefunden hatten. Zwolinski, der wegen seiner in der Wohnung befindlichen Kinder in Angst war, wurde gewaltsam auf der Strasse zurückgehalten. Auf dem weiten Wege hatten sich Gendarmen eingefunden, welche zur Attacke bereit waren. Die Menge schlug sich aber seitswärts, um dem erwarteten Angriff auszuweichen. Die Gendarmen schickten sich an, ein Weib zu verhaften, was aber die Exzedenten zu verhindern trachteten. Zwolinski riet den Gendarmen, zur Vermeidung von Blutvergiessen von der Verhaftung Umgang zu nehmen. Angesichts der bedrohlichen Situation verzichteten die Gendarmen auf die Festnahme jener Frauensperson. Die Menge strömte sodann gruppenweise durch Nebenstrassen dem Ringplatze zu. Die Frage des Vorsitzenden, ob sich Zwolinski selbst davon überzeugt habe, dass die Juden beim Brande der Ortskirche Schadenfreude bekundeten und die Christen deswegen „frozzelten", wurde vom Zeugen verneint. Der Zeuge Finanzwachaufseher Zwolinski gab an, dass die Exzedenten bei ihrem Streifzuge durch das Judenviertel an mehreren Stellen gleichzeitig die Fenster eingeschlagen haben. Der Zeuge brachte den blutüberströmten Aron Stahl zum Chirurgen K i b i t z, welcher jedoch aus Furcht vor den Exzedenten sich nicht recht traute, dem Verwundeten den Notverband anzulegen. Erst unter dem Schutze der Gendarmeriebajonette wurden die Wunden Stahl's verbunden. Der Zeuge hat gesehen, dass ein Teil der Waren des Kaufmannes Liebermann auf der Strasse zerstreut bunt durcheinander lagen; es unterliege keinem Zweifel, dass die Juden in Todesangst sich befanden, da die Exzedenten wie in blinder Verzweiflung über die wiederholten Brände sich geradezu rasend geberdeten. Es machte aber nicht den Eindruck, dass die Menge etwa auf Grund einer vorherigen Verabredung oder eines zuvor gefassten Planes das Zerstörungswerk unternommen habe. Zeuge Klein, der bei Ausbruch des grossen Brandes vom 23. April 1903 in der Nähe der Ortskirche gesehen und deshalb von der Menge verfolgt worden ist, schilderte, wie arg ihn seine Verfolger zugerichtet hatten. Eine Frauensperson war die