Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1904) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9756662-9603068-9603151--1011-9603171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

20 aufgehoben und denselben nach dem Zeugen mit den Worten geschleudert: ,.Dein Vater wurde schon erschlagen!*' Der Zeuge gab an, dass im Hause seines Vaters zuerst der Angeklagte Petryszyn Fensterscheiben mit einem Zaunpfahl eingeschlagen habe. Der Angeklagte Hwypnuk fand noch eine unversehrt gebliebene Scheibe und zertrümmerte auch diese. Der Gerichtsdiener Mazurkiewicz zerschlug mit dem Stocke Fensterscheiben im Nachbarhause. Die Angeklagten Petryszyn und Mazurkiewicz erklärten die Behauptungen des Zeugen als unwahr. Lea Gr o 1 d f a r b sagte aus, der Gerichtsdiener Mazurkiewicz habe sie mit einem dicken Stocke geschlagen und im ganzen Judenviertel Fensterscheiben zertrümmert, sein Gefolge laut aneifernd, seinem Beispiele zu folgen. Die Aussagen des Zeugen Rupp riefen im Auditorium grosses Mitleid und auf der Bank der Angeklagten eine augenscheinliche Depression und das Gefühl der Beschämung, sowie des Unbehagens hervor. Während die Exzedenten in das Judenviertel drangen, hielt sich Rupp im Hofraume seines Wohnhauses auf. Plötzlich vernahm er den Zuruf der Nachbarn, er solle rasch seine Kinder in Sicherheit bringen, da die Juden gemordet werden. In Todesangst machte er sich ohne Rockbekleidung auf den Weg, um sein Söhnchen, welches auf der Strasse geblieben sei, aufzusuchen. Da trat ihm der kleine Iwan P i k u 1 s k i entgegen und hieb auf ihn mit einem Stocke ein, so dass er niederfiel. Im Nu eilten Genossen Pikulkfs herbei und schlugen ihn um die Wette. Er bat flehentlich, ihn zu schonen, da er seit längerer Zeit leidend sei. Allein die Leute Hessen ohne Mitleid die Stöcke auf ihn niedersausen. Bei diesem Heldenstücklein tat sich ganz besonders der Angeklagte Kukiz hervor, der den Zeugen, als derselbe nicht mehr ein Glied zu rühren vermochte, mit einem Knüttel ohne Erbarmen bearbeitete. Rupp lag drei Wochen krank zu Bette. Sogar ins Gericht konnte er nur zu Wagen gebracht werden. Von den Angeklagten wagte diesmal niemand die Darstellung des noch jetzt nicht ganz wieder hergestellten Zeugen als lügenhaft zu bezeichnen und sogar die Anmeldung seiner Ersatzansprüche (vierhundert Kronen) wurde ohne Widerspruch vernommen. Chana F e 1 d h o r n und Juda M e s t e r behaupten, der Angeklagte Paczkowski habe laut geschrieen, dass noch weit herum das Blut der Juden in Strömen fliessen werde. Paczkowski versicherte hoch und teuer, er sei damals betrunken gewesen. Der Zeuge Finanzwachaufseher Z w i 1 i n s k i schilderte in eingehender Weise den Verlauf der Tumulte in Uhnow. Der Jude Klein sei von mehreren Leuten verfolgt worden, weil man ihn während des Brandes in der Nähe der Ortskirche gesehen hatte. Die Zahl der Verfolger wurde immer grösser; in der Menge be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.