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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1904) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Der als Zeuge einvernommene Kaufmann Lieb er mann deponierte, dass in seinem Hause 33 Fensterscheiben zertrümmert und die Türen beschädigt wurden; er bezeichnete die Angeklagten Kotowicz, Magura und Thekla Trusiewicz als diejenigen, welche den Mob zu den Ausschreitungen aneiferten, Tee, Viktualien und andere Waren aus den Kaufläden in eine Senkgrube warfen und die Garderobe Liebermann's und seiner Frau in Stücke rissen. Die genannten Angeklagten leugneten alles, trotzdem die Darstellung Liebermann's vom Fleischhauer Schweizer, welcher seine Aussagen beeidete, vollständig bestätigt wurde. Der Zeuge P reichler teilte mit, dass einem Steinbombardement 60 Fensterscheiben seines Hauses zum Opfer gefallen sind. Der Angeklagte Dwornicki habe die Scheiben von der einen und Mazurkiewicz von der anderen Seite zertrümmert. Der Zeuge verzichtete auf Schadenersatz. Kaufmann Leder erzählte, der Angeklagte Peter Mazurkiewicz, provisorischer Gerichtsdiener, der sich ebenfalls unter den Exzedenten befand, habe immerfort schreiend kontrolliert, ob schon alle Fensterscheiben im Judenviertel eingeschlagen seien. — Zeuge Kessler schilderte, mit welcher Wut der Pöbel im Judenviertel gehaust habe. Kaum war eine Rotte verschwunden, erschien bereits eine zweite, von Mazurkiewicz geführte Gruppe mit dem Kufe: „Hurra! Los ge g en d i e J u d e n!;' — Der Zeuge versicherte ferner, die Juden seien in Todesangst gewesen; von panischem Schrecken ergriffen, habe der Zeuge mit zwei Kindern seine Wohnung, in der er sich nicht mehr sicher fühlte, verlassen und irgend ein Versteck aufsuchen wollen. Auf der Flucht begegnete er dem Schuhmacher Krzanowski und bat ihn um Zuflucht in seinem Hause. Trotz der aufreizenden Reden des herbeigekommenen Lakaszkiewicz nahm Krzanowski sowohl Kessler als auch dessen Bruder gastlich bei sich auf und rannte sodann in die Wohnung Kessler's, um seine mit einem Säugling zurückgebliebene Frau, die infolge der Aufregung krank geworden war, zu beruhigen. Mit dem Ausdrucke aufrichtigen Dankes hob Kessler das edelmütige Vorgehen Krzanowskis hervor. Der Zeuge S c h u d r i c h deponierte, dass die Angeklagten Farjan, Magura, Bukowski und Wasil Skrypczuk die Fensterscheiben der Synagoge durch Steinwürfe, mit Knütteln und Stöcken eingeschlagen, hierauf einen jüdischen Burschen namens Haberkorn geprügelt und schliesslich ihn (den Zeugen) mit Zaunpfählen überfallen haben, so dass ihm eine Hand gebrochen wurde; sodann seien andere Juden an die Reihe gekommen, die ebenfalls misshandelt wurden. Rädelsführer sei Magura gewesen. Derselbe leugnete alles schlankweg. Chirurg K i b i t z sagte belastend für die Angeklagten K u k i z und Anna Skrypczuk aus, die, unbekümmert um die Zeugenaussagen, ihre Schuldlosigkeit

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