Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Brandes konnte nicht konstatiert werden, doch verdächtigten christliche Ortsinsassen, denen die Mehrzahl der dem Brande zum Opfer gefallenen Häuser gehörte, die jüdische Bevölkerung der Brandstiftung. Die Bauern erzählten, die Juden seien dem Krypczuk gehässig, weil er einem getauften Juden Unterkunft und Beschäftigung gegeben habe. Gegen den jüdischen Einwohner David Nebel wurde auch infolge der sich verstärkenden Gerüchte die Untersuchung wegen Verbrechens der Brandstiftung eingeleitet. Sie blieb jedoch resultatlos und musste eingestellt werden. Der Verdacht hatte jedoch bei der christlichen Bevölkerung schon während der Löschaktion so tiefe Wurzeln gefasst. dass nach Abwendung der grössten Gefahr arge Judenexzesse ausbrachen. Der Gendarmeriewachtmeister Karl Dabrovski hatte noch, während er bei der Löschaktinn beschäftigt war, bemerkt, dass sich Bauern und Bäuerinnen und ihre Kinder unter Geschrei und Gejohle, Drohungen gegen die Juden ausstossend, zusammenrotteten. Die Männer baten dicke Knüttel und Hacken in den Händen, die Weiber und Kindertrugen Steine mit sich. Dann teilte sich die Menge in mehrere Gruppen, um in den Häusern der Juden das ärgste Zerstörung werk zu verrichten. Unter Drohungen gegen die Juden durchzogen die Exzedierenden die Gassen, wobei die Fenster der den Juden gehörigen Häuser eingeschlagen wurden. Andere drangen in jüdische Wohnungen und Geschäftslokale, in denen die Möbel und Einrichtungen zertrümmert wurden. Viele Läden wurden geplündert und Männer und Frauen blutig geschlagen. Die Exzesse dauerten länger als eine Stunde. Die Gendarmerie war den Exzedenten gegenüber machtlos und musste sich mit der Verhaftung mehrerer Rädelsführer begnügen. Es musste Militärassistenz requiriert werden, doch als diese in Uhnow eintraf, war die Ruhe bereits hergestellt. Von den Teilnehmern der Exzesse gelang es, 112 zu eruieren. Sie haben in grösserem oder kleinerem Umfange an den Plünderungen und Gewalttätigkeiten teilgenommen. Besonders belastet erschienen der Agent der Versicherungsgesellschaft „Dniester" Oniszkiewicz, der Gemeinderat Mazora, ein Gemeindepolizist und der Amtsdiener des Bezirksgerichtes Mazurkiewicz. Beim Verhöre leugneten sogar jene Angeklagten, welche als Rädelsführer bezeichnet wurden, jede Schuld; sie erklärten, dass sie sich erst nach den Exzessen im Uhnower Judenviertel eingefunden hatten, sie vermochten auch nicht anzugeben, wer die Juden misshandelt und wer die Fensterscheiben in den Judenhäusern zertrümmert und den Hausrat der jüdischen Bewohner zerstört habe. Dass bei den Ausschreitungen vom 23. April 1903 Judenhass die Triebfeder gewesen sei, wurde von den Angeklagten unumwunden zugestanden. Die Juden hätten als Urheber zahlreicher in Uhnow vorgekommener Brände gegolten, und als während des Brandes vom 23. April 1902 Gendarmerie einen jüdischen Burschen