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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1904) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 und feinsinnigsten Naturen zum stolzen und freien Bekenntnis des Judentums gelangt. Dass gerade in dem Geiste HerzFs dieses Bekenntnis sich zu einem grossen Regenerationsgedanken für das ganze jüdische Volk ausweitete, das war begründet in dem grossen, weltumfassenden Mitleid, das das ganze Wesen Herzl's erfüllte. Während Tausende unserer Glaubensgenossen die Frage, wie sie sich unter den geänderten Verhältnissen zu ihren andersgläubigen Mitbürgern zu stellen haben, immer nur für ihre eigene Person lösten, wollte sie Herzl für alle seine Brüder zugleich lösen. So wurde durch ihn aus dem religiösen und idealen Zionismus der politische Zionismus, den allerdings zu praktischem Erfolge zu führen ihm bis zu seinem vorzeitigen Ende nicht beschieden war. Unvergänglich aber ist das Verdienst, das er sich um die Stärkung des jüdischen Selbstbewusstseins bei Erwachsenen und Heranwachsenden erworben. Und auch die von ihm geschaffene Tatsache muss für die künftige Entwicklung der Judenfrage in Rechnung gezogen werden, dass die versklavten und verelendeten Massen unserer östlichen Glaubeusbrüder zum Bewusstsein ihrer Menschenwürde und ihrer Menschenrechte gelangt sind. Herzl's Tod hat die Teilnahme aller wahrhaft Gebildeten ohne Unterschied des Glaubens erweckt, die seinen vornehmen Geist, seinen echten, unter Tränen lachenden Humor und seine literarischen Schöpfungen bewundern gelernt haben. Aber mehrals diese Teilnahme bedeutet die Totenklage, die an seinem Grabe Millionen hungernder, verfolgter und geknechteter Menschen anstimmen, deren Traum und Hoffnung er gewesen ist. Auch in der „Oesterreichisch-Israelitischen Union1' wird sein Andenken dauernd geehrt bleiben. Die Eonitzer Mordaffalre. Langsam scheint Licht zu kommen in die rätselhafte Mordangelegenheit, die seit Jahren die Gemüter nicht nur der Bevölkerung Westpreussens, sondern auch des ganzen Landes in Erregung versetzt hat. Schon in den letzten Wochen gingen Gerüchte um, dass eine neue Spur gefunden sei; der Verdacht richtete sich, wie durch einen Berichterstatter bekannt wurde, gegen den Arbeiter Massloff und den Schlosser Berg, MasslofFs Schwager. Massloff ist bekanntlich der Mann, der vor Gericht beschworen hat, er habe in Levy's Keller am Abend des Mordtages verdächtige Hantierungen bemerkt. Er wurde, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er diese Beobachtungen unmöglich von dem von ihm angegebenen Orte aus gemacht haben konnte, ins Zuchthaus gesteckt. Aus diesem wurde er erst kürzlich ent-

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