Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Vorsorge trifft. In diesem Falle kann sogar Todesstrafe für den Eigentümer verhängt werden; doch ist in diesem Falle die Loslösung durch ein Lösegeld gestattet.22) Dasselbe gilt, wenn ein Kind durch ein solches stössiges Tier verletzt wird. Wird aber bloss ein Sklave oder Sklavin verletzt, dann liegt nach der Auffassung jener Zeit bezüglich des Sklaven als blosses Vermögensobjekt, eine blosse vermögensrechtliche Beschädigung vor und hat der Besitzer des Tieres dem Herrn des Sklaven 30 Scheckel als Lösegeld zu bezahlen. Sehr interessant sind auch die Bemerkungen, die Prof. Dr. Müller an diese Stelle bezüglich des stössigen Ochsens im Vergleiche mit der analogen Parallelstelle des Kodex Hamurabi knüpft, auf welche Ausführungen wir noch zurückzukommen uns vorbehalten. Auch die Ausserachtlassung der nötigen Vorsichten, den sogenannten negligentia, wodurch ein Schaden am Leben oder Eigentum eintritt, wird gestraft. So wird bestimmt, dass derjenige, der eine Grube gräbt, ohne sie zu bedecken und dadurch für ein Tier eine Verletzung herbeiführt, dem Eigentümer des beschädigten Stück Viehes dessen Wert zu ersetzen hat, sich aber das todte Tier behalten kann. Ebenso, wer sein Vieh auf fremden Felde weiden lässt, hat dem Beschädigten vollen Schadenersatz zu leisten. Das im Deutschen Reiche geltende Pfandrecht an dem weidenden Viehe kennt das biblische Recht nicht. Die verschiedenen Rechtsfälle und Ersatzansprüche, die durch die Ausserachtlassung der deligentia quam suis entstehen können haben ja dem Talmud Veranlassung zu dem weitläufigen Traktat Nesikim gegeben, der wieder in die 3 Abschnitte zerfällt, auf deren Einzelheiten wir nicht weiter eingehen wollen. Dr. Theodor Herzl. In der Blüte der Jahre ist Dr. Theodor Herzl, der feinsinnige Schriftsteller, der Begründer des Neu-Zionismus, seinem vielseitigen Wirken durch den Tod entrissen worden. Sein Hingang ist ein Verlust, den das gesamte Judentum erleidet, denn wie immer man sich zu der politischen Lebensarbeit Herzl's stellen mag, so muss man doch sagen, dass er durch seine glänzenden G-eistesgaben, durch die anerkannt hervorragende Stellung, die er sich als Schriftsteller errungen, und durch seine edle Menschlichkeit eine Zierde des Judentums gewesen ist. Dr. Theodor Herzl hat denselben inneren Prozess durchmachen müssen, den alle edleren Charaktere unter den Juden durchgemacht haben. Während die niederen Seelen durch den Antisemitismus zum Verrat, zur Flucht, zum Uebertritt veranlasst wurden, sind gerade die besten 22) 21 — 29 + 3 ) + 31 -f 32.