Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 lassen. Er begab sich nach Westdeutschland und fand dort in einer Fabrik Arbeit. Inzwischen arbeitete die Untersuchungsbehörde im Stillen unermüdlich weiter. Eine ganze Reihe Spuren wurde verfolgt. Das Ergebnis dieser Nachforschungen war schliesslich, dass sich der gravierendste Verdacht auf Massloff und dessen Angehörige lenkte. Eine in der Stille vorgenommene Haussuchung in der Wohnung, die Massloff am Mordtage inne hatte, führte zu überraschenden Ergebnissen. In einer Krümmung des Schornsteinschachtes fand man halbverkohlte Ueberreste von Kleidungsstücken, die als die des ermordeten Winter angesehen werden. Insbesondere die an den Kleiderresten noch vorhandenen Knöpfe Hessen die halbverkohlten Stofffetzen als Reste des Anzuges Winters erscheinen. Zu diesem Massloff schwer belastenden Funde trat noch ein anderer: An den kurz nach der Mordtat aufgefundenen Kleidungsstücken des Ermordeten fand sich eine Anzahl rötlicher Katzenhaare. Es wurde ermittelt, dass sich im Besitze der Familie Massloff ein als Decke für den Kinderwagen benutztes Katzenfell befand, das dieselben Haare aufwies. Ein weiteres Verdachtsmoment gegen Massloff kam hinzu. Der Kopf Winters war bekanntlich, als er aufgefunden wurde, in ein Exemplar eines Berliner Blattes eingewickelt. Neuerdings kam die Üntersuchungsbehörde auf den Gedanken, dass dieses Blatt bei seiner politischen Haltung kaum viel Abonnenten in Könitz zählen würde. Anderseits war bekannt, dass das Blatt zu Agitationszwecken häufig Probenummern in die Provinz entsende. Das war, wie ermittelt wurde, auch am Mordtage geschehen. Die Empfänger der Probenummern wurden festgestellt. Es waren durchwegs Leute, die zu dem Morde in keiner Beziehung stehen konnten. Einer von ihnen aber war ein Gastwirt. Und nun stellte die Behörde fest, dass Massloff am Mordtage in der Wirtschaft dieses Gastwirtes gewesen war und die betreffende Probenummer an sich genommen hatte. Die Untersuchungsbehörde schloss aus diesen gravierenden Indizien, dass Massloff um den Tod Winter's wisse. Die Behörde nimmt folgenden Sachverhalt an: Ehe Massloff in die fragliche Wohnung einzog, wohnte dort eine gefällige Frauensperson, zu der Winter Beziehungen unterhielt. Auch am Mordtage hat Winter — nach der Auffassung der Behörde — dieser Person einen Besuch abstatten wollen. Inzwischen war die Familie Massloff in diese Wohnung eingezogen. Winter scheint trotzdem die Wohnung betreten zu haben, und zwar in Abwesenheit MasslofFs. Zu erörtern, was dort zunächst vor sich gegangen sein mag, ist hier nicht der Ort. Genug, man nimmt an, dass Massloff, unvermutet erscheinend, den Winter dort in einer heiklen Situation angetroffen und ihn im Affekt getötet hat. Nach vollbrachter Tat hat