Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 20 Dr. Bloch führt aus, das Judentum unterscheide sich vor allem anderen darin, dass alle anderen Völker ihre gesamte goldene Zeit nach rückwärts, das Judentum dagegen nach vorwärts verlege, und zwar als Ergebnis der allgemeinen Verfeinerung der Menschheit. Was soll mit der Synode geschehen? Es waren früher ja auch schon Synoden, z. B. zur Zeit der Makkabäer. Die Juden bestehen gegen das Naturgesetz. Die Bundeszeichen sind Vorschriften in der Bibel, welche gegen das Naturgesetz gegeben worden sind. Der Sabbatli ist gegen das Naturgesetz, die Himmelskörper bewegen sich trotzdem und alles wächst auch am Samstag. Selbst die ärgsten Reformer sind nicht gegen den Sabbath. Nichts rege so sehr die Leidenschaften auf als religiöse Fragen. Ein Hausherr werde in einem brennenden Hause nicht neue Möbel aufstellen lassen. Rechtgläubige Juden fühlen sich durch die Aeusserungen des Vorredners in ihrer Ueberzeugung verletzt, Herr Lucian B r u n n e r fragt, welchen Zweck der Vortrag verfolge? Die Bevölkerung wolle uns nicht dieselben Rechte und dieselbe Achtung zugestehen. Dagegen sollen wir kämpfen. Das erreichen wir aber nur durch Selbsthilfe, doch müssen wir hiebet Disziplin einhalten. An Talent, an Findigkeit fehlt es bei uns nicht. Aber die Juden mögen sich selbst achten. Es werden ja nicht nur die Juden unterdrückt, sondern auch andere Völker. Es sei bedauerlich, wenn die Juden Rettung suchen im jüdischen Klerikalismus. Uebersetzen wir nicht den Nationalismus anderer Nationen ins Jüdische. Redner stellt dann die Behauptung auf, es gebe nur Juden, aber kein Judentum. (Widerspruch.) Die Juden seien die Märtyrer der Gewissensfreiheit. Die Mission der Juden sei, auszuharren, bis die Menschenrechte ein allgemeines Gut werden, bis der Begriff Judentum aufgehen werde in dem Begriff eines geläuterten Menschenrechtes. Herr M a r k u s spricht den Wunsch aus, dass die Vereinsleitung häufiger als bisher Diskussions-Abende veranstalte. Herr Baumeister Zerkowitz bedauert, dass die Kinder der heutigen erwachsenen Juden keine Juden mehr seien. Die Kinder sollen jüdische Lehren und die Bibel studieren. Redner schlägt vor, an Sonn- und Feiertagen Vorlesungen für die Kinder aus der Bibel zu halten. Es sprechen dann noch die Herren Schwadron, Hofbauer, Dr. S c h r e i b e r, Dr. Bloch, worauf der Referent Herr Dr. Tänzer in seinem Scblussworte als das letzte Ziel eine allgemeine Menschheitsreligion bezeichnet. Das Judentum sei der edelste Weg zu diesem Ziele. Die Jugend werde in der Entwicklungsgeschichte unterrichtet. Wenn der Jüngling aber bei uns in der Religion etwas anderes hört, als es in Wirklichkeit ist, was soll er dann für einen richtigen Begriff davon haben?