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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-02-01 · 2 (2.1904) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
2 (2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 zustreifen. Es ist dies auch ein Kampf ums Dasein, den das Menschtum gegen das Tierische im Menschen kämpfte, und indem der Mensch auch hier zur bewussten Selbsthilfe greift, wird der sittliche Mensch geboren und in dieser edelsten Selbsthilfe schliesst er sich würdig dem ganzen grossen Entwicklungswerke an. Des Menschen ganzer Lebenslauf darf nur der Entwicklung gewidmet sein, sowohl seiner selbst wegen, wie auch seiner Mitmenschen halber. Nur so zieht er die würdige Moral aus der Lehre der natürlichen Entwicklung, denn die Lehre von der natürlichen Entwicklung steht uns durchaus nicht mehr als Hypothese, sondern als Wahrheit gegenüber. Die Entwicklungslehre hat uns die unschätzbare Wahrheit gebracht, dass die ganze Natur, trotz der Verschiedenheit der Organismen, eine innere Einheit bildet, weil alle Lebewesen aus einem und demselben Stoffe mit mehr oder weniger Arbeitsteilen oder Organen bestehen. Eine Einheit ferner deshalb, weil in allen Einzelnzellen oder Zellenstaaten dieselbe Kraft tätig ist. Eine Einheit endlich deshalb, weil die Verschiedenheit der Organismen nur eine verschiedene Entwicklungsstufe darstellt des Wirkens ein und derselben Kraft, Das unterste Glied ist die Einzelnzelle, deren höchste Leistung im Spalten besteht, während die oberste Stufe Haeckel's Werk ist. Und doch liegt im Titel des Buches, „Welträtsel" eine Wahrheit; sie erscheint faktisch gelöst. Die ungeheuere Anzahl der Rätsel erscheint wirklich gelöst, so gelöst, dass sie sich zu einem einzigen grossen Rätsel zusammengesetzt hat, zur Frage: Woher kommen diese wunderbaren Stoffe, woher kommt diese wunderbare Kraft? Und für dieses letzte und einzige Rätsel der ganzen organischen Natur scheint die Wissenschaft bisher keine Lösung gefunden zu haben. Zu sagen, dass wir niemals eine finden werden, verbietet uns ganz entschieden die heute noch gar nicht zu übersehende künftige geistige Entwicklung der Menschheit. So unberechtigt es derzeit ist, muss ich aber doch sagen, sie wird gefunden werden. Niemand kann die künftige Entwicklung vorhersagen. Unsere Vorstellung kann nur für die Gegenwart und deren jeweilige Errungenschaften gelten. Hier aber sehen wir, dass die Wissenschaft eine Grenze findet. Und an den Grenzen der Wissenschaft beginnt das Gebiet des Glaubens an die allerheiligste Einheit, an den einig einzigen Gott! Den wunderbaren Stoff hat Gott gegeben. Sein Werk ist die natürliche Entwicklung und seinen Ruhm kündet die ganze Natur. Je höher und entwickelter, je erweiterter unsere Erkenntnis wird, umso mehr erweitert sich unsere Vorstellung zu Gott. Die Naturwissenschaft hat unsere Erkenntnis von Gottes Werken bereichert und hat darum auch unsere Vorstellung von Gott bereichert. Wo aber ist der Gegensatz zur Religion gegeben? Denn was erstrebt die Religion ihrem innersten Wesen nach? Erziehung des Menschen, Beziehungen zu Gott; die Wissenschaft hat diese Beziehungen zu Gott festgestellt. Es gibt keinen prinzipiellen

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