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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-02-01 · 2 (2.1904) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
2 (2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 die Schwachen zu Grunde, die Starken leben und vermehren sich auf Grund ihrer Selbsthilfe, denn nicht alle Organismen besitzen in gleicher Weise die Eignung zur Selbsthilfe, vielmehr sprechen die jedem Lebewesen anhaftenden individuellen Verschiedenheiten ihr entscheidendes Wort mit. Ist es doch augenfällige Tatsache, dass alle Lebewesen ohne Ausnahme Neigung bekunden, zu variiren, auch innerhalb derselben Art sich von einander durch kleine Merkmale zu unterscheiden; ein Variations vermögen, das sich bis auf die einzelnen Organe erstreckt. Nicht zwei Menschen gleichen einander vollkommen, unter tausenden von Pferden und Schafen wird der Züchter individuelle Verschiedenheiten entdecken, nicht zwei Blätter, nicht zwei Körner decken einander vollkommen. Diese in jedem Organismus auftretende individuelle Verschiedenheit zeigt uns, dass die Variation, die sonst ganz bedeutungslos ist, im gegebenen Falle dennoch eine hohe Bedeutung erlangen kann, wenn diese individuellen Verschiedenheiten, die dem Individuum im Kampf ums Dasein ein Uebergewicht verleiht, wenn sie es zur Selbsthilfe befähigen. Und früh genug tritt dieser Kampf an jedes Lebewesen heran, denn die Ernährungsmöglichkeit auf der Erde ist nur einer ganz beschränkten Anzahl von Individuen gegeben; trotzdem arbeitet die Natur mit einer ungeheueren Ueberproduktion von Samen und Keimen, so dass selbst eine millionmal grössere Erde nicht genügen würde, diese Samen und Keime zu ernähren. Diese ungeheuere Anzahl, die in keinem Verhältnis zur wirklichen Anzahl steht, dieses Bestreben aller Organismen, sich zahlreich zu vermehren, setzt notgedrungen einten Regulator voraus, der nur einer beschränkten Anzahl von solchen Keimen dauernde Erhaltung gewährt. Dieser Regulator ist der Kampf ums Dasein. Schon zu Beginn werden alle Lebewesen einer natürlichen Auswahl unterzogen, um jedes Plätzchen, um jeden Strahl des Sonnenlichtes muss gekämpft werden gegen alle Gegner, und nur jene Keime, die sich am stärksten erweisen, die im Stande waren, unter den gegebenen Verhältnissen ihr Dasein fortzusetzen, bleiben am Leben, aber nicht allein als Regulator, sondern im weiteren Verlaute noch als direkte Ursache der Entwicklung von den anderen Formen zu höheren durch Selbsthilfe und Anpassung ihren Kampf ums Dasein erkennen lassend. Dieses Erhalten der Starken und Vernichten der Schwachen ist die Auslese der Natur. Als starke, andere überlebende Individuen erwiesen sich jene, sonst ganz und gar bedeutungslose individuelle Verschiedenheiten, die gegebenenfalls die Selbsthilfe und Anpassung ermöglicht haben. Die fortgesetzte Andauer dieser so geänderten Verhältnisse verlangt selbstverständlich fortwährende Ausnützung, Ausübung und auch Steigerung dieser anfänglich kleinen Verschiedenheiten bis zur höchsten Entwicklungsstufe. Durch das noch wenig erhellte und vielfach umstrittene Gesetz

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