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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-02-01 · 2 (2.1904) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
2 (2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 nnermessen, erhaben über jedes vollständige Ergründen, steht er da zu Gottes Ruhm und Ehre, der allerhabenste Tempel der Natur, in welchem des Waldes Rauschen uns gleich Orgelklängen tief andächtig stimmt. Ein Gottes-Tempel, in dem alle die Milliarden von Organismen, keiner dem anderen gleich, in allem ihren Leben und Lieben, Entstehen und Vergehen, in Tausenden künstlichen Formen den unfassbaren Willen des Schöpfers seit unendlichen Zeitläuften predigen. Sie predigen mit der einfachen eindringlichen Sprache der Wahrheit, bis endlich der Mensch, der erkennende Mensch unserer Tage, diese Sprache zu verstehen gelernt hat und andächtig den Offenbarungen lauscht, die ihm im Tempel der Natur werden! Ja, wir Menschen des 20. Jahrhunderts, umflutet von den Strahlen des elektrischen Lichtes, wir können uns so oft der Anwandlung des Mitleides nicht erwehren, wenn man von der guten alten Zeit spricht. Wie erhaben dünken wir uns jedoch über unsere Vorfahren auf Erden und doch haben wir nur dann eine Berechtigung hiezu, wenn wir uns klar darüber geworden sind, worin eigentlich die Erhabenheit unseres Zeitalters besteht. Denn die erhöhte Kalenderzahl allein tut es bei weitem nicht, auch nicht das uns äusserlich umflutende moderne Meer von Licht so sehr es auch den gewaltigen Fortschritt der Technik beleuchtet, sondern erst die in der ganzen bisherigen Geschichte der Menschheit einzig dastehende innere Erleuchtung, die uns die letzten Jahrzehnte gebracht haben. Bei diesem alles durchdringenden Lichte, dem der Wissenschaft und Erkenntnis, haben wir dasjenige gefunden, was die Denker und Forscher früherer Zeiten vergebens gesucht haben. Wir haben den Menschen gefunden, den Menschen als Objekt, gesetzt in seine wahre Stellung und Bedeutung im Reiche der organischen Natur. Der Standpunkt, den die moderne Wissenschaft dem Menschen einräumt, ist ein solch erhabener, bietet eine solche Fülle von Erkenntnisschätzen für Vergangenheit und Zukunft, dass alle Vorstellungen früherer Zeiten» weit in den Schatten gerückt werden. Union, Monismus, Einheit der gesamten Natur ist das Bekenntnis der modernen Wissenschaft. Einheit nicht allein für Israels Religion, sondern die innere Einheit aller Organismen, durch einen alles umfassenden Entwicklungsgang, der vom niedrigsten zum höchsten geht, mit den Einzelzellen einsetzt und mit dem Menschen als dem entwickeltsten Zellenstaat seinen Abschluss findet. In der von Gott gegebenen und sich niemals vermindernden Materie vollbringt die von Gott gegebene und konstante Kraft ihren ununterbrochenen Entwicklungsgang, schaffend, gestaltend, auflösend in neuen Verbindungen. Das Vorhandensein dieses wunderbaren Stoffes mit der ihm innewohnenden wunderbaren Kraft kündet ebensowohl Gottes Grösse und Allmacht, wie der Entwicklungsgang, den Stoff und Kraft bis zum Menschen genommen, dieses Menschen nie geahnte Hoheit künden. Millionen

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