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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-02-01 · 2 (2.1904) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
2 (2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 kommen zu lassen, geben wir im Nachstehenden die wesentlichsten Ausführungen Dr. Tänze r's wieder, ohne uns in allen Einzelheiten mit denselben zu identifizieren: „Ein allbekanntes Sprichwort lautet: „In der Not lernt man seine Freunde kennen." Ein wnklich wohltuendes Trostwort! Aber nur für jene, welche auch im Unglück noch glücklich sind, denn die meisten Menschen machen die Erfahrung, dass sie in der Not überhaupt keine Freunde haben. Und doch ist auch dieses Sprichwort ein wahres. In der Not lernt man ohne Ausnahme, wenn auch nicht seine Freunde, so doch jedenfalls seinen Freund kennen, seinen einzigen und unwandelbaren Freund, sich selbst, das eigene Ich. In der Not lernen wir uns selbst kennen und erfahren, ob wir zu den Starken oder Schwachen im Leben zu zählen sind. Stark und schwach, diese beiden, die ganze organische Natur als differenzierende Merkmale durchziehenden Begriffe, sie treten uns im Sprachgebrauch des sozialen Lebens nur selten in scharfer Umgrenzung entgegen. Nennen wir doch in der Regel stark denjenigen, der andere beherrscht, ihnen seinen Willen aufzuzwingen weiss, während der Untergeordnete, der Beherrschte, in der Regel zu den Schwachen zählt. Aber wie bald erwächst dem Starken von heute in einem Tyrannen von morgen ein noch Stärkerer, der ihn wieder unterdrückt? Und sind nicht, vom Standpunkte des Beherrschens angesehen, wir alle stark und schwach zugleich? Hat doch jeder Mensch ein Wesen unter sich, das er beherrscht, und ein solches über sieb, dem er gehorchen muss, und endlich, wie viel innere eigentliche Schwäche fördert oft der Starke zu Tage? Und andererseits, wie unendlich viel Seelenstärke und Charakterhoheit offenbart sich im Bilde solcher Schwäche. Reden wir doch immer noch nach dem ritterlich sein sollenden Sprachgebrauch von einem starken und schwachen Geschlechte und doch sind es die wahrhaften, heldenhaften, tugendvollen Handlungen, die das angeblich schwächere Geschlecht in der höchsten Vollendung zeigt! Gattentreue, Mutterliebe, verschwiegene Wohltätigkeit, stumme Resigr nation bis zur Selbstaufopferung. Und wir und unsere engere Geschichte als Juden! Schon die Bibel gibt uns die wenig tröstliche Versicherung mit auf den Lebensweg, dass wir die an Zahl geringsten unter den Völkern sind, und dass dem wirklich so ist, wuss en wir ja lange, ehe es eine Statistik gab, an all dem Leid, das wir erfahren mussten, und doch tauschten wir unsere Schwäche nicht ein gegen die Stärke unserer Bedränger. Hat sich nicht der Juden eigentliche Stärke eben in ihrer physischen Schwäche gezeigt? Bietet nicht Israels vielhundertjährige Leidensgeschichte eine Lobeshymne auf die Seelenstärke, Glaubenskraft und Ueberzeugungsfestigkeit? In der brutalen Stärke unserer Gegner liegt ebensoviel moralische Schwäche, wie bei uns erhebende Seelenstärke enthalten ist. Also nicht in dem so oft doppelsinnigen Sprach-

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