Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-02-01 · 2 (2.1904) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
2 (2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9756662-9603068-9603118--0962-9603122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 uns nichts nützen können. Uns bleibt nur die Flucht in die Oeffentlichkeit. Und fürchtet man ein freies, vielleicht allzu freies und lautes Wort? Das beste Korrektiv für die Oeffentli hkeit ist die Oeffentlichkeit selbst; da werden ungebührliche Aeusserungen sofort zurückgewiesen werden. Wir brauchen kein Unrecht still zu ertragen; wenn wir verleumdet werden, müssen wir dasünwahre sofort widerlegen, frei und offenhervortreten mitdem, was wir sind, was wir wollen. Dann kann uns niemand vorwerfen, dass wir ein Geheimbund sind, dass wir Intriguen spinnen und hinterlistige Pläne auf Gewinnung von Macht und , Reichtum verfolgen. Es wird den günstigsten Eindruck machen, wenn wir deutlich sagen: Das sind wir; das verlangen wir! Den Parteien gegenüber folge der deutsche JudeseinerpersönlichenUeberzeugung; wir haben auch kein Bündnis mit der Sozialdemokratie! Was man mit lauten Rufen erreicht, hat der Bund der Landwirte gezeigt; der schreit immer, nicht nur bei den Wahlen, und wo er nicht die Regierung für sich gewinnt, sucht er das Volk hinter sich zu haben. Mit dem Schreien allein ist es natürlich nicht abgetan; wir müssen vielmehr aus dem Gebiete der Phrase heraus, müssen umfassendes authentisches Material für die Beschwerden der Juden über verfassungswidrige Vorgänge schaffen. Das wird die Vereinigung deutscher Israeliten ermöglichen, wenn sie umfassend erscheint und systematisch wirkt. Der Plan des Judentags ist fallen gelassen worden; wenn sich aber der Verband der Israeliten Deutschlands konstituiert haben wird, sollen alle zwei Jahre in einer Versammlung der Delegierten des Verbandes die alle deutschen Juden betreffenden Angelegenheiten öffentlich besprochen werden. Eine weitere Aufgabe des Verbandes ist die literarische Abwehr des sogenannten „wissenschaftlichen Antisemitismus", die Förderung der jüdischen Apologetik; ferner Vorbeugungen bei solchen Ausweisungen würdiger ausländischer Juden, durch welche Ausweisungen gleichzeitig deutsche Interessen verletzt werden, auch in Fällen von Verweigerungen von Naturalisationsgesuchen, deren Genehmigung auch für die jüdischen Gemeinden in Deutschland von besonderem Werte sind — last not least — die Stärkung und Hebung des Selbstbewusstseins der deutschen Juden, sowie die Verhinderung des Abfalls und der Zersplitterung. Politische Parteifragen müssen von dem Verbände unbedingt ausgeschlossen bleiben; er soll keine politische Vereinigung im allgemeinen Sinne sein, sondern sich ausschliesslich mit solchen politischen Dingen befassen, welche die Juden speziell betreffen. Das haben schon die jüdischen Gemeinden und auch der Gemeindebund tatsächlich bei häufigen Gelegenheiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.