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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-02-01 · 2 (2.1904) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
2 (2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 in Fragen politischer Art irgend welche Verantwortung zu übernehmen. Aus diesem Grunde scheint dazu der Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens besser geeignet, zumal er in vielen Fällen sich bei der Verteidigung der Rechte der Juden bewährt und durch die Sammlung einer grossen Zahl von Mitgliedern der Einigung vorgearbeitet hat. Dennoch nimmt ihn seine spezielle Tätigkeit zu sehr in Anspruch und reichen seine Organisationsweise und Legitimation nicht dazu aus, als eine Vertretung des gesamten deutschen Judentums mit derjenigen Wucht aufzutreten, welche die Zeitverhältnisse erfordern. Dies vermag nur ein Z e n t r a 1 v e r b a n d, der den Zusammenschluss aller grossen jüdischen Organisationen, insbesondere der sämtlicher Gemeinden darstellt, in dem aber auch alle jüdischen Notablen Sitz und Stimme haben, die bis jetzt noch den Gemeindeverwaltungen fernstehen. In dieser Erkenntnis haben auch die Vorsitzenden des Zentralvereines sich für die grosse Gesamtorganisation entschieden und deren Zustandekommen gefördert. Von den Gegnern des Planes wird ferner der Einwand erhoben, dass man durch das öffentliche Hervortreten die Regierungen kränken könne, dass man deshalb alles vermeiden müsse, was als Schreien ausgelegt werden würde. Dabei vergisst man wieder vollständig, dass die Regierungen jetzt nicht sowohl die Führenden, als vielmehr die Geleiteten sind, die sich von den Strömungen im Volksleben treiben lassen, soweit diese öffentlich zu kräftigem Ausdrucke gelangen. Man erinnere sich nur daran, wie der Justizminister Schönstedt bei der Interpellation Peltasohn sich auf die „Imponderabilienauf die öffentlichen Meinungsäusserungen, berufen hat, um die Nichtanstellung und Nichtbeförderung jüdischer Richter und Beamten zu begründen. Und lässt sich nicht auch jetzt die bayerische Regierung von der ultramontanen Landtagsmehrheit treiben? Haben nicht im Königreich Sachsen die Antisemiten das eine religiöse Einrichtung der Juden hemmende Schächtverbot durchgesetzt? Ist dort nicht jetzt dem Landtage eine neue Judenordnungs-Vorlage zugegangen, die den Wünschen der antisemitischen Konservativen entgegenkommt? Was will man da noch abwarten? Jetzt gilt es, laut hinauszurufen, dass auf diesem Wege das Judentum vogelfrei wird; jetzt gilt es, eine innere Organisation so stark aufzubauen, dass man sich scheut, auf jener Bahn weiter zuschreiten! Nun sagt man, wir Juden allein können nichts durchsetzen; wir müssen uns auf die liberalen Parteien stützen und diese für unsere Sache eintreten lassen. Dass von den Nationalliberalen solches nicht zu hoffen ist, darüber braucht man nicht zu reden; die freisinnigen Fraktionen aber halten nicht zusammen und sind leider arg geschwächt, so da?s sie trotz bestem Willen ihrerseits 1*

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