Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 legenheit hatten, sich mit dieser Sache eingehender zu beschäftigen. Wir leben in einer Kampfzeit, in der sich alle Interessenkreise enger zusammenschliessen um das, was sie näher angeht, gegen Schädigung zu wahren und durch eigene Verbände ihre wesentlichsten Interessen zur Geltung zu bringen. Wir sehen, wie dies dem „Bunde der Landwirte" geglückt ist, wie aber auch religiöse Gemeinschaften durch geschlossenes Auftreten in der Oeffentlichkeit versuchen, ihren Bestrebungen Anerkennung zu verschaffen, so der Katholikentag, der Protestanten-Verein, der Evangelische Bund u. a. m. Ein einziges Element in Deutschland, das schwächste, am wenigsten durch offizielle Organisation geeinte, das deshalb den Znsammenschluss besonders nötig hätte, hat diesen bisher beständig abgelehnt — das ist die deutsche J u d e n h e i t! Sie ist ohne jede Vertretung nicht nur der Regierung gegenüber, sondern auch im Reichstage geblieben, weil sie es verkannte, wie gerade einer schwachen Minderheit der Bevölkerung ein fester Zusammen s c h 1 u s s zu statten kommt. Die Scheu, in der Oeffentlichkeit berechtigte Ansprüche geltend zu machen, mag auf Bescheidenheit zurückzuführen sein, aber eine übertriebene Bescheidenheit wird in allen Fällen allgemein nur als Schwäche beurteilt und ist nur geeignet, die Gegner zu Angriffen zu ermuntern. Wenn trotzdem der Gedanke eines Zusammenschlusses der deutschen Juden vielfach auf Bedenken stiess, war dabei auch die wohlbegründete Abneigung mit im Spiel, den zahllosen Vereinen einen neuen hinzuzufügen. Man wandte ferner gegen den Plan einer Vereinigung ein, dass eine solche für die deutschen Juden bereits im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bezw. auch in dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund vorhanden sei, dass es deshalb keiner neuen Veranstaltung bedürfe. Dabei verkannte man aber, dass gar kein neuer Verein begründet, sondern nur für die bereits bestehenden und segensreich wirkenden grossen jüdischen Organisationen in Deutschland ein fester Zusammenschluss durch einen Zentralverband und für die fehlende staatliche Organisation eine freiwillige Organisation geschaffen werden soll, mit der als einei\legitimierten Vertretung aller deutschen Israeliten von da ab allgemein zu rechnen wäre. Zu einer solchen Vertretung würde der Deutsch-Israelitische Gemeindebund als Zusammenfassung der meisten jüdischen Gemeinden in Deutschland berufen sein, wenn er nicht durch die historische Entwicklung des jüdischen Gemeindewesens gezwungen wäre, seine Tätigkeit auf Verwaltungsangelegenheiten zu beschränken, und wenn nicht seine Stellung als mittelbare Verwaltungsbehörde den Regierungen gegenüber es ihm unmöglich machte,