Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 1 (1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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43 Berlin. (Jüdische Statistik,) Der Verein für jüdische Statistik (Zentrale : Berlin-Halensee) hat bei der Herausgabe seiner ersten Publikation „Jüdische Statistik Band I" die wirksamste Förderung seitens der jüdischen Presse und der jüdischen Intelligenz, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in allen grösseren Zentren jüdischen Lebeus erfahren. Besonders rühmenswert ist es, dass zum erstenmale fast alle grossen offiziellen jüdischen Verbindungen ein gemeinnütziges Werk auch gemeinsam unterstützt haben. So haben die Jewish Kolonisation Assoziation, die Alliance Israelite Universelle, die Israelitische Allianz zu Wien, die Grossloge des U. 0 Bnei Brith in Deutschland, zahlreiche deutsche und österreichische Einzeliogen, ferner der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, sowie die Israelitischen Kultusgemeinden zu Berlin, Wien, Warschau, Prag, Posen, Lemberg, Königsberg, Breslau eine grössere Anzahl von Exemplaren der „Jüdischen Statistik" angekauft und zur Deckung der sehr erheblichen Kosten der Publikation beigetragen. Auch seitens des Hilfsvereins deutscher Juden dürfte eine Beteiligung erfolgen, * * * Ferner hat der Verein dank seiner Publikation zahlreiche neue Freunde und Mitarbeiter gewonnen und die Ueberzeugung von der Notwendigkeit jüdisch-statis iscber Arbeit in verschiedenen Ländern geweckt. So sind zunächst in Deutschland zwei neue Sektionen entstanden. In Breslau haben sich arbeitsfreudige Elemente der jüdischen Bürgerschaft und die Vertreter der jüdischakademischen Vereine unter dem Vorsitze von Professor Dr. Brann (Wallstrasse 1 b) zu einer Arbeitsgruppe zusammengetan, welche unter wohlwollender Förderung seitens des Herrn Rabbiners Dr. Gutmann neben den allgemeinen Aufgaben der jüdischen Statistik speziell die Statistik der Judenschaft Schlesiens ins Auge gefasst hat. Desgleichen wurde in München eine Sektion für jüdische Statistik unter dem Vorsitze von Dr. Georg Halpern (Adalbertstrasse 31a) gebildet. E ue sehr erfreuliche Erscheinung ist in Oesterreich zu verzeicbnen. Hier hat der Verband der zionistisch-akademischen Vereine sich bereit erklärt, an den jüdisch-statistischen Aibeiten teilzunehmen. Der Verband steht unter der Leitung des Vereins „Bar-Kochba" in Prag, dem die Verteilung der Arbeiten obliegt. Er umfasst 19 Studentenkorporationen, deren Wohnsitze sich in Wien, Krakau, Lemberg, Stanislau, Stryj, Tarnopol, Tarnow, Czernowitz, Suczawa, Bielitz, Olmütz und Prag befinden. Die jüdisch-statistischen Arbeiten in Ungarn hat eine Gruppe übernommen, welche aus dem Verein ungarischjüdischer Hochschüler zu Budapest (Magyar Zsidö Ifjak Egyesülete) unter dem Vorsitze von Rabbiner Dr. Max Weisz (VIL, Kert6sz-utcza 43. szäm) hervorgegangen ist. Ein selbständiger Verein für jüdische Statistik wurde eben in London begründet. Die Initiative hierzu hatte ein Komitee ergriffen, welches unter dem Vorsitze von Mr. A. E. Franklin folgende Heiren umfasst: J. Abrahams, E. Eichholz, S. Gelberg, H. H. Gordon, B. Jacobs, H. S. Lewis, S. Rosenbaura, A. Weiner. Als Ehrensekretär funktioniert Mr. S. Rosenbaum (London W, 166a, Southfield Road, Bedfork Park). Das genannte Komitee berief Ende November ein Meeting, welches unter Beteiligung hervorragender jüdischer Gelehrter Englands im Jews' Kollege stattfand und die ernste Inangriffnahme jüdisch-statistischer Arbeiteu in England beschloss. Der neue Verein sieht sich einer besonders schweren Aufgabe gegenüber, da in England die offizielle Statistik den konfessionellen Gesichtspunkt nicht berücksichtigt und der Verein daher die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung durchaus auf Grund selbständiger Erhebungen feststellen muss. Das von dem provisorischen Komitee entworfene Arbeitsprogramm umfasst neunzehn Gesichtspunkte, welche alle Seiten des Lebens der jüdischen Bevölkerung erschöpfen. Auch in Nordamerika ist ein Verein für jüdische Statistik im Entstehen begriffen, dessen Initiator der Herausgeber der Jewish Eneyclopedia, Dr Isidor Singer, ist. Die von ihm im New-Yorker Tageblatt „The Sun" gegebene, bemerkenswerte Anregung hat in der ganzen amerikanischen Presse verständnissvolle Förderung gefunden. Man darf hoffen, dass der nordamerikauische Verein, dem die Beihilfe der zwei ausge-