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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 33

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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33 Die Untätigkeit des Militärs und die Teilnahme der Polizei an den Angriffen gegen die Juden sind durch die Zeugenaussagen in merkwürdiger Weise beleuchtet worden. Ein Stabsarzt, Dr. Müller, und ein bekannter Rechtsanwalt in Kischenew, Herr Königsschatz, sagten vor Gericht aus, dass sie vergeblich die Hilfe des Gouverneurs v. Eaaben angerufen hätten, und General Beckmann erklärte, dass er beim Ausbruche der Unruhen 5000 Soldaten zur Verfügung gehabt habe, die vollständig genügt hätten, den Ruhestörungen sofort ein Ende zu bereiten, aber er habe keinen Befehl dazu erhalten; erst als der Gouverneur für die Sicherheit der Christen zu fürchten begann, habe er Massregeln getroffen, um der Wut des Mob Einhalt zu tun. Unter solchen Umständen braucht man sich nicht zu wundern, dass die Polizei untätig blieb oder gar zum Teil selbst die Missetäter aneiferte. In dieser Beziehung war selbst am charakteristischsten die Aussage eines bis zum Tage der Plünderungen wohlhabenden Einwohners von Kischenew, Namens Hirsch Mendel Rudi, der sein ganzes Vermögen, ungefähr 30.000 Rubel, in zwei eisernen Kassen aufbewahrte. Dreizehn Stunden lang, von 9 Uhr Früh bis Abends 10 Uhr, arbeitete eine Rotte daran, diese Schränke aufzubrechen, und kein Polizist störte sie dabei, obgleich das Kommissariat des fünften Polizeibureaus sich gegenüber der Wohnung des Beraubten befand und der Polizeikommissär Brzesowski, umgeben von Wachleuten, vor dem Tore seines Bureaus stand. Da braucht man wirklich nicht mehr besonders auf die Aussagen einzelner Polizeioffiziere hinzuweisen. Einer derselben, Namens Witkowski, bemerkte, dass auf seine Frage, was er zu tun habe, der Gendarmerie-Oberst Chanshenkow geantwortet habe: „Mögen sich die Juden selbst helfen, wir können ihnen nicht helfen", und ein anderer Offizier, Namens Blagai, erklärte, er habe gesehen, wie eine Kompagnie von 200 Soldaten den Ruhestörern geholfen habe, ihre Beute fortzuschaffen. Es mag sein, dass bei einer öffentlichen Gerichtsverhandlung manche Aussagen bekannt geworden wären, die diese oder jene Einzelheit in einem anderen Lichte erscheinen lassen würden, allein so viel steht doch fest, dass die 24 Männer, welche das Gericht in Kischenew verurteilt hat, lediglich Werkzeuge in der Hand anderer Personen, der Urheber der Angriffe gegen die Juden, gewesen sind. Es ist auch möglich, dass diese wahren Schuldigen nicht soweit haben gehen wollen, wie die von ihnen benutzten Leute, allein deshalb bleiben sie doch verantwortlich für die grauenhaften Mordtaten, und es ist unbegreiflich, dass das Gericht den Anträgen der Advokaten auf Verfolgung der wahren Schuldigen nicht entsprochen hat. Ebenso unbegreiflich aber ist es, dass die russische Regierung nicht alles daran setzt, um der Gerechtigkeit vollen Lauf zu lassen, denn darüber darf sie sich nicht täuschen, dass die Art und Weise, wie die Verfolgung der Missetäter von

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