Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 1 (1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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30 bei den Mongolen, bei den Indianern in Brasilien, bei den Papuas, bei den Australiern und bei manchen Negerstämmen. So könnte ich Ihnen aus allen Gebieten des sozialen und religiösen Lebens unzählige Beispiele von überraschenden Uebereinstimmungen zwischen den Völkern der Erde anführen. Uebereinstimmungen, welche beweisen, dass die Menschen aller Rassen und aller Völker ebenso wie sie in gleicher Weise essen, schlafen, sahen und hören, auch im grossen und ganzen in derselben Weise denken und fühlen, so dass das Sprichwort recht hat, wenn es sagt: „Die ganze Welt ist eine Stadt." Und dasselbe drückt auch der malaische Spruch ans, den Adalbert von C h a m i s s o zitiert: „Viele Teile hat die Granate, Doch der Samen ist rot in Allen! Viele Rassen gibt's der Menschen, Doch das Blut ist rot iu allen." So wie wir gesehen haben, dass die hervorragendsten Anthropologen oder Rassenforscher darin übereinstimmen, dass sie an der Arteinheit des Menschengeschlechtes festhalten, so können wir jetzt hinzufügen, dass auch alle hervorragenden Ethnologen oder Völkeribrscher die Einheit des Menschengeschlechtes als eine erwiesene Tatsache ansehen. Adolf Bastian, der Altmeister unter den deutschen Ethnologen, hat den Begriff „Völkergedanke1' in die Wissenschaft eingeführt, um damit alle jene Ideen zu bezeichnen, welche bei allen Völkern wiederkehren und daher als Gemeinbesitz der Menschheit gelten können. Edward T y 1 o r, der bedeutendste unter den englischen Ethnologen, sagt : „Es ist ebonso unsinnig, anzunehmen, die Gesetze des Geistes seien in Australien andere als in England, andere zur Zeit der Höhlenbewohner als zur Zeit der Erbauer eiserner Häuser gewesen, als anzunehmen, die Gesetze für die chemische Verbindung seien zur Zeit der Kohlenablagerivngen so und so gewesen, jetzt dagegen andere." Friedrich Ratzel, unter den neueren deutschen Ethnologen einer der ersten, sagt: „Die Einheit des Menschengeschlechtes ist das tellurische oder planetarische Merkmal, das der höchsten Stufe der Schöpfung aufgeprägt ist. Man hat das Recht, im wissenschaftlichen Sinne von der Einheit des Menschengeschlechtes zu sprechen." Und gerade dies kann nicht scharf genug betont, nicht nachdrücklich genug hervorgehoben werden, dass es nicht Sentimentalität, nicht Schwärmerei für Menschenrechte und allgemeine Menschenliebe, nicht sittliche Betrachtungen, sondern dass es streng wissenschaftliche Argumente, von der Rassenkunde und von der Völkerkunde beigebrachte Beweise sind, aus welchen sich die Einheit des Menschengeschlechtes als eine wissenschaftlich feststehende Tatsache ergibt.