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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 29

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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29 Wenn Sie ein wohlgeordnetes Museum für Völkerkunde besuchen — Sie brauchen bios ins naturhistorische Hofmuseura hier in Wien zu gehen — so werden Sie da Sammlungen von Werkzeugen, Waffen und Geräten (Beile, Meisel, Messer, Nadeln, Pfeilspitzen, Töpfe u. s. w.) sehen, die alle im grossen und ganzen übereinstimmen, wenn sie auch in Einzelheiten verschieden sein mögen: und Sie könnten glauben, dass alle diese Dinge aus Einer Werkstätte stammen. "Wenn Sie aber fragen, so werden Sie hören, dass diese Dinge aus den verschiedensten Ländern und von den verschiedensten Völkern aller Weltteile zusammengetragen worden sind. Und wenn Sie weiter gehen, so werden Sie in demselben Museum Schränke mit Werkzeugen zum Fischfang, Jagdgeräte, Instrumente zum Feuermachen, zum Kochen, Spinnen, Korbflechten, und wieder in anderen Schränken hunderte von Amuletten, Zaubergeräten, Masken, Musikinstrumenten u. dgl. sehen und Sie werden finden, dass alle diese Dins:e eine solche Aehnlichkeit miteinander zeigen, dass man glauben könnte, sie stammten aus Einem Dorfe, aus Einer Gegend, während sie in Wirklichkeit von den verschiedensten Ländern aller Erdteile gesammelt sind.. Und auch die merkwürdigsten Sitten und Gebräuche finden sich bei allen Völkern der Erde in wunderbarer Uebereinstimmung. In allen Weltteilen finden wir das Tätowieren, das Verstümmeln des Körpers zum Zwecke der Verschönerung desselben, das Durch- * bohren der Ohren und Nasen zum Einhängen von Schmuckgegenständen u. dgl. mehr. In Bezug auf religiöse und abergläubische Vorstellungen und Bräuche herrscht die gleiche Uebereinstimmung zwischen allen Völkern der Erde oft bis auf die kleinsten Details. Noch heute sagen bei uns altmodische Leute, wenn jemand niest: „Helf Gott" oder „zum Wohlsein". Der Engländer sagt „God bless you", der Jude „Tobim chajini", der Moslem „gelobt sei Allah", der Inder „du sollst leben". Die alten Perser murmelten Gebete, wenn jemand nieste. Auch die alten Börner und die alten Griechen begrüssten sich mit Segensprüchen beim Niesen, und ganz dasselbe finden wir noch heute bei den Zulus in Afrika und bei den Indianern in Amerika. Ebenso finden wir bei allen Völkern der Erde einen und denselben Glauben, dass Krankheiten durch böse Geister hervorgerufen werden und dass es möglich sei, durch Zauberei und Beschwörungen diese Geister zu beruhigen. Und auch rechtliche und soziale Einrichtungen finden wir in merkwürdiger Uebereinstimmung über die ganze Erde verbreitet. Der Ihnen aus der Bibel bekannte Brauch des Levirats, wonach der Schwager verpflichtet ist, der Witwe eines kinderlos verstorbenen Bruders Nachkommenschaft zu erwecken, findet sich nicht nur bei den alten Hebräern, sondern auch bei den alten Indern,

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