Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 1 (1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 geben, zwischen denen sich keine Verwandtschaft nachweisen Hess, und doch zeigt die Bevölkerung von ganz Amerika einen einheitlichen Rassentypus. In einzelnen Gegenden des Kaukasus gibt es fast in jedem Tal eine andere Sprache, ohne dass es der Wissenschaft gelungen wäre, zwischen allen diesen Sprachen eine Verwandtschaft nachzuweisen und doch sind die Bewohner des Kaukasus sämmtliche von einer und derselben Rasse. Wer sich also auf die Vielheit der Sprachen beruft, müsste eine unendlich grosse Anzahl von Urrassen annehmen, und zwar in Gegenden, wo auf Grund physischer Rassennierkmale überhaupt keinerlei Rassenverschiedenheit nachzuweisen ist. Aber auch noch etwas anderes ist zu bedenken. Wohl sind die Sprachen sehr verschieden, aber die Sprache als ein Mittel der Verständigung ist allen Menschen und allen Völkern gemeinsam. Es ist ferner jedem Menschen möglich, die Sprache eines anderen Menschen zu erlernen. Wenn wir auch noch so intim mit den Tieren verkehren (wie mit dem Hunde oder mit dem Pferd); wenn wir auch glauben, das Bellen des Hundes zu verstehen, und wenn auch der Hund ein oder das andere Wort des Menschen versteht, so besitzt doch kein Tier das, was wir Sprache nennen, zum mindesten können wir niemals die Sprache der Tiere, wenn es eine solche gibt, erlernen. Hingegen kann jeder Mensch die Sprache eines fremden Volkes erlernen. Der Missionär, der nur einige Wochen bei einem wilden Indianerstamm zubringt, lernt dessen Sprache und kann sich mit diesen Menschen fremder Rasse ganz gut verständigen Trotz aller Mannigfaltigkeit und aller Vielheit der Sprachen beweist also doch auch die Sprache selbst, dass die Menschheit nur eine ist. Die Möglichkeit, dass Menschen verschiedener Rass n sich mit einander verständigen können, beweist, dass die Grundformen , des Denkens und des Sprechens bei allen Menschen dieselben sind. Ja, es können sich auch Menschen, selbst ohne zu sprechen, sehr gut mit einander verständigen. Die Indianer Nordamerikas, die als wandernde Jäger leben, sind oft gezwungen, mit fremden Stämmen, deren Sprachen sie nicht verstehen, zu verkehren und da bedienen sie sich der Geberdensprache. Man hat nun diese Geberdensprache der Indianer mit den Geberden und Zeichen der Taubstummen in Europa verglichen und eine überraschende Uebereinstimmung gefunden, so dass ein europäischer Taubstummer sich mit einem Indianer ganz gut verständigen könnte. Aber auch in den Sitten und Gebräuchen, in den religiösen Meinungen und Handlungen, in den technischen Erfindungen und Künsten zeigen alle Völker der Erde die erstaunlichsten Uebereinstimmungen. welche beweisen, dass der menschliche Geist überall in gleicher Weise tätig ist.