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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Völker, welche die miteinander verwandten semitischen Sprachen (Babylonisch, Assyrisch, Arabisch, Hebräisch, Phoenikisch) reden. Ob diese Völker, welche die miteinander verwandten semitischen Sprachen reden, auch zu einer Rasse gehören, ob sie eine von allen anderen Rassen streng geschiedene Menschenspielart bilden, ist eine Frage, welche mit der Sprache gar nichts zu tun hat, und weil nur die Sprache die Zusammengehörigkeit der semitischen Völker beweist, kann man auch nur von semitischen Völkern, von einer semitischen Sprach- und Kulturgemeinschaft, aber nicht von einer semitischen „Rasse" reden. Man hat in neuerer Zeit geglaubt, der religiösen Unduldsamkeit und dem Judenhass einen vornehmeren Anstrich geben zu sollen, indem man das Wort „Antisemitismus" erfunden hat. Und aufgeklärte Leute, die sich für etwas besonders Vornehmes halten, nennen sich „Rassenantisemiten". Während aber das Wort „Judenfeind" etwas ganz Bestimmtes und Verständliches besagt, bezeichnen die Wörter „Antisemit" und „Antisemitismus" etwas ganz Blödsinniges : sie bezeichnen eine Gehässigkeit gegen die semitischen Sprachen, gegen die semitische Kultur, gegen die Babylonier und Assyrier, gegen die Araber und Phönizier, gegen die alten Hebräer, gegen die uralten semitischen Kultureinflüsse, von denen sich tausend Spuren in der modernen europäischen Kultur finden. Von den Juden als zur semitischen „Rasse'4 gehörig zu sprechen, hat gar keinen Sinn, weil es eine semitische „Rasse" überhaupt nicht gibt. Aber auch von einer jüdischen „Rasse" als einer von allen anderen Menschenrassen verschiedenen Menschenspielart zu reden, hat keine wissenschaftliche Berechtigung. Der sogenannte „jüdische Typus" beweist noch lange nicht das Vorhandensein einer besonderen „jüdischen Rasse'. Es gibt auch einen besonderen Typus, durch welchen der Quaker kenntlich ist; auch die Bauern, die Arbeiter, die Angehörigen des Militärs, der G-eistlichkeit, auch der Wiener, der Londoner, der Pariser — sie alle haben einen besonderen Typus, aber deshalb wird man sie nicht als eigene Menschenrassen aufstellen. Von den Juden als einer einheitlichen oder einer reinen Rasse zu reden, hat nun schon gar keinen Sinn. Nicht nur ist es historisch bezeugt, dass die Juden, solange sie noch eine nationale Existenz hatten, sich ebenso wie andere Völker mit verschiedenen Stämmen sowohl durch feindliche wie durch freundliche Berührungen vermischten; sondern auch die Anthropologie bestätigt, dass von den Juden als einer einheitlichen Rasse nicht die Rede sein kann. Es gibt nicht nur zwei von einander ganz verschiedene jüdische Typen, den der S e p h a r d i m und den der A s c h k e n a s i m, sondern es gibt in Europa allein fast in jedem Lande einen anderen jüdischen Typus. Und es gibt in Abessynien die Fallaschas, welche

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