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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Missbehagen hervorruft, welches zum „Rassenhass" führen kann, sondern - es ist die Verschiedenheit der Sitten, der Bräuche, die Verschiedenheit der Lebensgewohnheiten, der geistigen Atmosphäre, der sozialen Umgebung, gegen die sich unser Dünkel, d. h. der Glaube, dass alles nur so gut sei, wie wir es gewohnt sind, und unsere Trägheit (die Unlust, das Fremdeverstehen zu wollen) auflehnt. Und dieser Widerspruch, dieser Zwang, sich in fremde Verhältnisse fügen zu müssen, führt, wo er nicht zur Assimilation überleitet, zum Widerspruch und Widerstreit, zum nationalen Hass, zum sogenannten „Rassenhass". Wem die Begriffe „Rasse" und „Volk" klar sind, der wird auch ohneweiters einsehen, dass es gar keinen Sinn hat, von einer indogermanischen, oder arischen, oder semitischen „Rasse" zu sprechen. Denn alle diese Ausdrücke „arisch", „indogermanisch", „semitisch" sind der Sprachwissenschaft entnommen. Diese Wissenschaft hat festgestellt, dass die meisten Sprachen Europas Lateinisch, Griechisch, die germanischen und slavischen Sprachen u. s. w. (und einige wichtige Sprachen Asiens (Indisch, Persisch, Armenisch) mit einander verwandt sind, dass sie zu einem gemeinsamen Sprachstamm gehören und auf eine gemeinsame Ursprache zurückgehen. Man nennt diese miteinander näher verwandten Sprachen „indogermanisch" und nennt die gemeinsame „Ursprache" die indogermanische „Ursprache". (Anstatt „indogermanisch" gebraucht man auch häufig den Ausdruck „arisch", der aber, streng genommen, nur zur Bezeichnung der indischen und iranischen Sprachen verwendet werden sollte.) Da aber Sprachen immer von Völkern gesprochen werden, so hat man den Ausdruck „indogermanisch" auch auf die Völker ausgedehnt, welche jene miteinander verwandten Sprachen redeten. Man bezeichnet daher als „Indogermanen" alle jene Völker des Altertums und der Neuzeit, deren Sprachen indogermanisch sind. Und diejenigen, welche den. ungenauen Ausdruck „arisch" für die Sprachen gebrauchten, nannten diese Völker „Arier", ein Name, auf den eigentlich nur die Inder und Perser Anspruch haben. Aber auch die indogermanische Ursprache muss von einem Volk gesprochen worden sein und man nennt dieses Volk das „indogermanische Urvolk". Was versteht man aber unter diesem Ausdruck? Die Sprachwissenschaft hat nachgewiesen, dass es ohne Zweifel einmal eine einheitliche Grundsprache gegeben haben muss, auf welche alle indogermanischen Sprachen zurückgehen, eine Sprache, welche vor vielen Jahrtausenden irgendwo (wir wissen nicht wo) von einem kleinen Volksstamm gesprochen worden ist. Diese Sprache hat sich aber dann Jahrhunderte lang weiter entwickelt, über ein grösseres geographisches Gebiet verbreitet und in Dialekte gespaltet, bis schliesslich aus diesen verschiedenen

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