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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Vater ererbt und dass oft von mehreren Kindern, die in einer Mischehe — und jede Ehe ist ja eigentlich eine Mischehe — erzeugt sind, das eine Kind Eigenschaften der Mutter, das andere Eigenschaften des Vaters und wieder ein anderes Eigenschaften von beiden Eltern geerbt hat, daraus erklärt sich auch die Unbestimmtheit der Rassenmerkmale und die Mannigfaltigkeit der Abstufungen und Uebergänge von einem zum anderen und von einer Rasse zur anderen. Aus der Unbestimmtheit und Wandelbarkeit der Eassenmerkmale und aus der Tatsache, dass die Menschenrassen eben nichts anderes sind, als Spielarten einer einzigen Spezies, erklärt es sich aber auch leicht, dass es den Naturforschern trotz aller eifrigsten Bemühungen bis jetzt nicht gelungen ist, eine allgemein anerkannte und zufriedenstellende Einteilung der Menschheit ,in Rassen aufzustellen. Es gibt eben keine strengen Grenzlinien, durch welche die einzelnen Rassen scharf von einander geschieden wären. Die alte Blumenbach'sche Einteilung der Menschheit in fünf Rassen: die weisse oder kaukasische, die gelbe oder mongolische, die schwarze oder aethiopische, die rote oder amerikanische, die braune oder malayische Rasse, gilt heute mit Recht als veraltet, da sie sich bloss auf ein einziges Rassenmerkmal, die Hautfarbe, stützt. Aber etwas viel besseres hat man bis jetzt noch nicht an die Stelle zu setzen vermocht. Es gibt viele Anthropologen, welche bloss drei Menschenrassen, eine weisse, eine gelbe und eine schwarze, unterscheiden und manche, welche sogar nur zwei Rassen anerkennen. Ernst H a e c k e 1 und Friedrich Müller unterscheiden 12 verschiedene Rassen, indem sie sich hauptsächlich auf das Haar stützen. In neuerer Zeit hat man sich mehr und mehr bemüht, möglichst viele Rassenmerkmale zusammen zu nehmen, um zu einer befriedigenden Rasseneinteilung zu gelangen. H u x 1 e y unterscheidet 5 Hauptrassen und 14 sekundäre Typen, Topinard zählte im Jahre 1878 16 und 7 Jahre später 19 Rassen auf. Deniker begnügte sich früher mit 13 Rassen, während er jetz 29 Rassen und noch mehr Unterlassen aufstellt. Aber keine einzige der bisher aufgestellten Rasseneinteilungen ist einwandfrei, keine einzige kann auf allgemeine Anerkennung rechnen; und das wichtigste Ergebnis aller Versuche, die Menschen in Rassen einzuteilen, ist das Eine, dass alle angenommenen Rassenunterschiede ungemein geringfügig sind, dass sich scharfe Grenzlinien zwischen den einzelnen Menschenrassen gar nicht ziehen lassen und dass die Grenzlinien, welche die Anthropologen ziehen, eigentlich ganz willkürlich sind. Je mehr man sich bemüht, die Menschen nach ihren Körpermerkmalen zu unterscheiden, je mehr man sich bestrebt, Unterschiede zwischen den Rassen festzustellen, je genauer man dieselben untersucht, je gründlicher man sie erforscht, desto mehr findet man, dass alle Menschenrassen miteinander viel mehr Aehnlichkeit haben,

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