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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 gegenwärtigen Augenblick die Menschen der mittelländischen oder kaukasischen Rasse und die Völkerstämme der indo-germanischen Sprachengemeinschaft an der Spitze der Kullur marschieren; aber wir dürfen nicht vergessen, dass vor mehr als 4000 Jahren die Chinesen eine hohe Kultur und eine reiche Literatur besassen; dass Menschen der amerikanischen Rasse in Mexiko und Peru eine hohe Kultur zur Blüte gebracht haben, welche von Menschen weisser Rasse, von den Spaniern, mit unerhörtem Vandalismus zerstört worden ist; dass Aegypter, Babylonier, Assyrier, Phönizier längst vorgeschrittene Kulturvölker waren, als bei denjenigen Völkern, welche heute die Welt beherrschen, von einer Kultur noch keine Rede war. Und ganz und gar unwissenschaftlich und durch nichts gerechtfertigt ist es, wenn man von „Herrenrassen" und von „Sklavenrassen" spricht. Kein Mensch in der Welt kann beweisen, dass irgend eine Rasse dazu bestimmt wäre, einer anderen zu dienen, dass die Natur sie zur Sklaverei verdammt hätte. Es ist in der Geschichte wiederholt vorgekommen, dass ein Volk von einem anderen unterjocht wurde, dass aber das unterjochte Volk den Siegern eine Kultur aufgezwungen hat. Welches von beiden Völkern gehört in einem solchen Falle zur Herrenrasse, welches zur Sklavenrasse? Ebenso verkehrt und ungerechtfertigt ist es, wenn man, wie dies heutzutage sehr oft geschieht, bestimmte Körperformen mit grösserer oder geringerer geistiger Begabung in Beziehung bringt, wenn man behauptet, dass Langschädel höher begabt seien, als Kurzschädel. Die elementarsten Tatsachen der täglichen Erfahrung widersprechen jeder solchen Annahme. Ebenso wie dunkle oder helle Hautfarbe, schwarze oder blonde Haare bei Langköpfigen so gut wie bei Kurzköpfigen sich finden, so findet sich auch hohe geistige Begabung sowohl mit dunkler, wie mit heller Hautfarbe, sowohl mit langem, wie mit kurzem Schädel vereint. Und es ist auch durchaus begreiflich, dass es so ist. Denn wir können uns die Entstehung von Rassen nicht anders denken, als durch fortgesetzte Vererbung körperlicher und geistiger Eigenschaften. Und nur deshalb, weil die Gesetze der Erblichkeit selbst noch nicht genügend erforscht sind, ist auch die Frage der Rassenbildung noch immer ein ungelöstes naturwissenschaftliches Problem. So viel aber ist sicher, — V i r c h o w hat dies wiederholt betont, und auch die Erfahrung zeigt es uns täglich — dass alle Vererbung nur eine partielle, eine teilweise ist Chamberlain, der sich auf Hunde sehr gut zu verstehen scheint, versichert uns, dass ein Bastard-Hund, also ein Hund, der nicht edel gezüchtet ist, auch ,.sittlich stets ein Lump" ist. Ob dies bei den Hunden wirklich der Fall ist, weiss ich nicht. Bei Menschen ist es gewiss nicht so. Denn es vererben sich bei den Menschen immer nur manche körperliche Eigentümlichkeiten und manche geistige Eigenschaften und es vererben sich

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