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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 rassen ist immer fruchtbar. Dagegen bilden Pferd und Esel zwei verschiedene Arten, denn die Kreuzung zwischen ihnen bringt den meist unfruchtbaren Maulesel hervor. Nun finden wir aber, dass, soweit menschliche Erfahrung reicht, durch Kreuzung verschiedener Menschenrassen stets fruchtbare Individuen erzeugt werden. So wahr ist dies, dass in historischen Zeiten Rassenmischung geradezu die Regel bildet, während Rassenreinheit, wenn sie überhaupt existiert, eine seltene Ausnahme ist. Da also der Mensch, als Naturwesen betrachtet, von allen anderen Tieren durch bestimmte körperliche Eigenschaften unterschieden ist, da feiner die einzelnen Menschenstämme und Menschenrassen zwar körperlich von einander verschieden sind, sich aber bloss durch schwankende, unbestimmte, vielfach wechselnde Körpermerkmale von einander unterscheiden und da endlich die Erfahrung lehrt, dass durch Kreuzung verschiedener Menschenrassen stets fruchtbare Individuen erzeugt werden, so folgt, dass die ganze Menschheit nur eine einzige Spezies, eine einzige Art bildet, und dass das, was wir als Rassen bezeichnen, nichts anderes ist, als Spielarten einer einzigen Spezies oder Art. Einem Einwand muss ich hier begegnen, welcher den Anthropologen mit Recht gemacht werden könnte. Man könnte sagen, ihr betrachtet den Menschen als ein physisches Wesen, als ein körperliches Wesen, der Mensch ist aber ein psycho-physisches, ein körperliches und geistiges Wesen, und eine strenge Grenzlinie zwischen Geistigem und Körperlichem gibt es nicht. Das ist auch vollkommen richtig; richtig ist es auch, dass sich geistige Eigenschaften ebenso vererben, wie körperliche Merkmale, und es kann daher nicht geleugnet werden, dass auch psychische, geistige Eigenschaften zu den Rassenmerkmalen gehören, dass namentlich in Bezug auf Temperament und Begabung sich die Menschenrassen ebenso von einander unterscheiden, als in Bezug auf Hautfarbe, Haar und Schädel. Indem .wir aber dies zugeben, müssen wir gleich bemerken, dass es zu den allerschwierigsten und bedenklichsten Aufgaben der Anthropologie gehört, über die geistige Begabung einer Menschenspielart ein sicheres Urteil zu fällen, denn noch viel mehr als bei all' den genannten körperlichen Merkmalen gibt es bei den geistigen Eigenschaften die mannigfachsten Abstufungen und Uebergänge. Und wenn es schon eine schwierige Aufgabe ist, die Menschen nach dem Körperbau einzuteilen, so wäre es eine geradezu unlösbare Aufgabe und ein ganz und gar vergeblicher Versuch, wenn man die Menschen nach ihrer geistigen Begabung in Rassen einteilen wollte. Und geradezu eine Vermessenheit wäre es, die Grenzen der Entwicklungsfähigkeit einer Rasse in geistiger Beziehung genau abgrenzen zu wollen, Vermessenheit wäre es, irgend einer Rasse die Fähigkeit, zu höherer Bildung emporzusteigen, absolut absprechen zu wollen. Es ist ja gewiss richtig, dass im

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