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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Lange Zeit hat man geglaubt, dass die Schädelmessung das sicherste Mittel sei, um die Rasse eines Menschen zu bestimmen und die Menschheit in Rassen einzuteilen. Man hat geglaubt, man brauche nur einen Schädel in die Hand zu nehmen und könne sagen, ob er einem Australier, einem Neger oder einem Deutschen angehöre. Je mehr man aber gemessen hat und je mehr man geforscht hat, desto mehr hat man einsehen gelernt, dass es unzählige Abstufungen und Schwankungen in den Massen der Schädel gibt und dass man aus dem Schädel allein eben so wenig die Rasse bestimmen kann, wie aus der Hautfarbe allein oder dem Haar allein. V i r c h o w, selbst einer der ersten Vertreter der Kraniologie, erklärte in einer seiner letzten Schriften: „Der Versuch von Retzius, als Grundprinzip der Klassifikation der Menschen einige wenige Kategorien des Schädeltypus zu wählen, freilich gemildert durch die Hinzufügung der Prognathie und Orthognathie, hat keinen durchgreifenden Erfolg gehabt. Auch die Korrekturen, welche im Laufe der Jahre vorgenommen worden sind, haben nicht dahin geführt, dass auch ein geübter Kraniologe, ohne etwas von der Provenienz eines Schädels zu wissen, mit Zuversicht angeben könnte, zu welcher Rasse oder gar zu welchem Stamme derselbe gehört." Noch weniger kann man sich auf die Gesichtszüge allein bei der Rassenbestimmung verlassen. Gewiss kann man in den Schlitzaugen und in der plattgedrückten Nase des Mongolen, ebenso wie in den breiten Nasenlöchern und den wulstigen Lippen des Negers Rassenmerkmale sehen. Aber es gibt Menschen mit Schlitzaugen und plattgedrückten Nasen, die keine Mongolen, und Menschen mit wulstigen Lippen, welche keine Neger sind; und wer eine Einteilung der Menschenrassen auf Grund des Gesichtes versuchen wollte, der würde sich vor so unüberwindliche Schwierigkeiten gestellt sehen, dass er seinen Versuch sehr bald aufgeben . würde. Sie sehen also, dass alle Rassenmerkmale, alle zur Rassenbestimmung verwandten Körpermerkmale etwas Vages, etwas Unbestimmtes, etwas Schwankendes an sich haben. Daraus folgt aber, dass die Menschenrassen nichts anderes sind, als das, was man in der Naturgeschichte als Varietäten oder Spielarten bezeichnet. Der Unterschied zwischen Art und Spielart ist aber nicht bloss ein rein äusserlicher, sondern hat eine tiefere Bedeutung. Zwischen Wesen, welche zu verschiedenen Arten gehören, findet in der Regel keine fruchtbare Vermischung statt. Hingegen lassen Wesen, welche zu verschiedenen Spielarten gehören, immer eine Huchtbare Vermischung zu. Wenn Sie z. B. die verschiedenen frunderassen mit einander vergleichen, so zeigen dieselben ziemlich bedeutende äussere Abweichungen. Zwischen einem Bernhardiner, einem Jagdhund und einem Pudel scheint ein grösserer Unterschied zu sein als zwischen Pferd und Esel. Dennoch bilden alle Hunde nur eine Art und die sogenannten Hunderassen sind nichts anderes, als Spielarten, denn die Paarung der verschiedenen Hunde-

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