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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 gefunden zu haben. Das straffe grobe Haar des Indianers, das wollige Haar des Negers, das sehlichte, zur Kräuselung neigende Haar des Europäers waren nicht nur äusserlich verschieden, sondern das Mikroskop zeigte auch, dass der Querschnitt des einzelnen Haares bei diesen drei verschiedenen Arten ein verschiedener ist. Kreisrund schien der Querschnitt des Indianerhaares, eiförmig der des schlichten Haares der Europäer und mehr plattgedrückt der des Negerhaares. Genauere mikroskopische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der Querschnitt bei allen Haararten mehr oder weniger elliptisch ist und nur manchmal mehr und manchmal weniger zur Kreisform neigt und dass es zahlreiche Abstufungen und Uebergänge von einer Haarform zur anderen gibt. Noch weniger bestimmt sind diejenigen Rassenmerkmale, bei denen es auf Messungen ankommt, wie die Körpergrösse. Wohl gibt es Zwergstämme, wie die Buschmänner in Südafrika und die W ed dahs auf Ceylon, und hochgewachsene Völkerstämme, wie die P a t. a g o n i e r in Amerika. Aber wie geringfügig ist der ganze Unterschied in der Grösse zwischen einem Buschmann, dessen Durchschnittshöhe 4' 6" beträgt und dem Patagonier, der durchschnittlich 5' 11" hoch ist und wie zahlreich sind die Uebergänge zwischen den kleinsten und grössten Menschenrassen und wie mannigfach sind die Verschiedenheiten der Körpergrösse einer und derselben Menschenrasse! Kein Körperteil ist aber so viel gemessen und so oft zu Passenbestimmungen verwendet worden, wie der Schädel. Es ist dies begreiflich genug, denn erstens ist ja der Schädel der Behälter des Gehirns, also der Sitz der Geistestätigkeit, zweitens ist nebst der Hautfarbe nichts auffälliger an der menschlichen Erscheinung als der Gesichtsschädel und die Physiognomie. Jeder Mensch glaubt an den Gesichtszügen die Angehörigen verschiedener Menschenstämme unterscheiden zu können, was freilich unendlich trügerisch ist. Drittens ist gerade der Schädel, das knöcherne Gehäuse des Gehirnes und der Sinnesorgane, für Messungen am leichtesten zugänglich, er ist am leichtesten aufzubewahren und aus den verschiedenen Weltgegenden für wissenschaftliche Zwecke herbeizuschaffen. Aus diesen Gründen ist die Schädellehre zu einer eigenen Wissenschaft geworden, mit der sich hervorragende Naturforscher befasst haben. Man unterschied nach der Beschaffenheit des Schädels Kurzköpfe oder Brachycephale und Langköpfe oder Dolichocephale, zwischen welchen man freilich bald Mesocephale einschieben musste, und erfand eigene Messinstrumente, welche das Verhältnis zwischen der Länge und der Breite des Schädels genau durch Zahlen ausdrücken lassen. Und nach dem Gesichtsschädel unterschied man geradzähnige oder orthognathe und schiefzähnige oder prognathe Menschen und bediente sich wieder eigener Instrumente zur Messung des Gesichtswinkels.

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