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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Unterabteilung einer Spezies gebraucht die Naturgeschichte den Ausdruck Varietät oder Spielart. Gerade von dieser Art sind aber die Körpermerkmale, durch welche die verschiedenen Menschenrassen sich von einander unterscheiden. Es gibt kein einziges Körpermerkmal, durch welches die Menschenrassen scharf von einander geschieden wären, sondern alle Merkmale, die man zur Rassenunterscheidung benützt hat, sind unbestimmt und wechselnd und es zeigen sich immer mannigfache Uebergänge von einer Form zur anderen So hat man seit den ältesten Zeiten die Hautfarbe für ein wichtiges unterscheidendes Merkmal der verschiedenen Menschenstämme angesehen. Schon vor 3- bis 4000 Jahren benützten äg3^ptische Maler vier verschiedene Farben, um die ihnen bekannten Menschenstämme von einander zu unterscheiden, und wir glauben auch heute noch den Unterschied zwischen uns und den Wilden nicht schärfer ausdrücken zu können, als indem wir uns als Weisse und diese als Schwarze bezeichnen. Trotzdem wissen wir heute, dass aller Unterschied der Hautfarbe bei den Menschen nur auf einer grösseren oder geringeren Anhäufung von Farbzellen in der Schleimschicht der Oberhaut beruht; dass der Farbstoff, der sich in diesen Zellen befindet, bei allen Menschen braun ist, und dass die verschiedenen Hautfarben der Menschen nur verschiedene Abwandlungen und Abstufungen von Braun sind. „So verschieden die Menschenrassen nach ihrer äusseren Färbung sind", sagt Virchow, „vor den Mitteln des Mikroskopikers hört das alles auf. Da ist kein Blond, kein Blau, kein Schwarz, alles ist braun. Die blaue Regenbogenhaut des Auges, die wir unter das Mikroskop bringen, erweist sich als versetzt mit braunem Pigment. Der Neger, dessen Haut wir untersuchen, zeigt uns braunes Pigment; selbst die Haut der zartesten Europäerin, die ganz weiss erscheint, lässt, unter dem Mikroskop betrachtet, ein gewisses Quantum von brauner Farbe erscheinen. Alle Farbendifferenzen der Menschen sind also blos Quantitätsdifferenzen, bald ist es ein wenig oberflächlicher, bald ein wenig tiefer gelegen, bald sieht man es direkt, bald durch etwas anderes hindurch, es ist aber im Grunde immer dasselbe." Die Farbe der Haut ist also für eine strenge Unterscheidung der Menschen nur in sehr geringem und beschränktem Masse brauchbar. Noch weniger brauchbar ist die Farbe der Augen und der Haare. Denn Menschen, welche in Bezug auf andere Körpermerkmale sehr verschieden sind, haben oft dieselbe Farbe der Haut, der Augen und der Haare. Am wenigsten nützt uns die Haarfarbe bei der Einteilung der Menschen, da die Mehrzahl der Menschen schwarze Haare hat, der dunkle Neger, ebenso wie der rotbraune Indianer und ebenso wie der gelbe Chinese und der hellbraune Italiener. Ein besseres Rassenunterscheidungsmerkmal glaubte man lange Zeit in der Form und Beschaffenheit des Haares

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