Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9756662-9603068-9603069--0916-9603076
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7 Der Begriff E a s s e gehört also der physischen Anthropologie an, welche denselben von der Zoologie, in welcher ja auch von Hunde- und Pferderassen gesprochen wird, übernommen hat. Was versteht nun der Anthropologe und der Zoologe unter Easse? Um diesen Begriff zu verstehen, müssen wir mit ein paar Worten auf die Stellung des Menschen im Tierreiche zu sprechen kommen. Jedermann weiss, dass zwischen dem Bau des Menschen und dem der Säugetiere eine grosse Aehnlichkeit herrscht und diese wird besonders auffallend, wenn wir den Menschen mit gewissen Affenarten, wie Gibbon, Orang-Utang, Chimpanse und Gr o r i 11 a, vergleichen. Werfen wir einen Blick auf die Skelette dieser Affen und vergleichen sie mit dem Skelett des Menschen, so finden wir, dass die Skelette der Affen mit dem Menschenskelette Knochen für Knochen übereinstimmen. Wir finden aber auch sofort die Hauptunterschiede, insbesondere bezüglich der Hände und Füsse und bezüglich der Stellung und Grösse des Kopfes, wodurch sich das menschliche Skelett von dem der Affen unterscheidet. Und trotz aller Uebereinstimmung zwischen dem Körperbau des Menschen und dem der Affen finden wir, dass sich der Mensch — und zwar alle Menschen der Jetztzeit und der Vorzeit, so weit unsere Erfahrung reicht, — durch ganz bestimmte Körpermerkmale von jeder anderen Tierart, insbesondere auch von den Affen, unterscheidet. So sind bei allen Menschen die Beine immer verhältnismässig länger, als bei den Affen, wenn man das Verhältnis zwischen der Länge der Beine und der der Arme vergleicht. So ist der Bauminhalt des Schädels beim Chimpanse 27!/a Kubikzoll — und dies ist das Höchste, was von irgend einem Affen erreicht wird — während das niedrigste Mass beim menschlichen Schädel 55 Kubikzoll beträgt. Der aufrechte Gang, der Unterschied zwischen Hand und Fuss, die glatte, wenig behaarte Haut im Gegensatze zu dem stets behaarten Kopf, der Umfang und das Gewicht des Gehirns, die Zahl und Anordnung der Zähne, die Art und Weise der Fortpflanzung, alle diese Merkmale sind bei allen Menschen gleich und durch sie unterscheiden sich alle Menschen von allen übrigen Tierarten. Eine solche, durch ganz bestimmte Körpermerkmale gekennzeichnete Klasse von Wesen, welche sich von jeder anderen Klasse von Wesen streng unterscheidet, bezeichnet man in der Naturgeschichte als Spezies oder Art. Eine solche Spezies besteht aus lauter Wesen, welche aller Wahrscheinlichkeit nach von einem einzigen Paare abstammen und ihre gemeinsamen Eigenschaften von diesem ersten Paare geerbt haben. Unter solchen Wesen aber, welche zu einer Art oder Spezies gehören, gibt es noch immer eine grössere oder geringere Anzahl von Gruppen, welche wieder gewisse gemeinsame von ihren Vorfahren ererbte Körpermerkmale haben, die aber nicht so sehr bestimmt sind, sondern immer etwas Unbestimmtes an sich haben. Für eine solche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.