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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. Seite 26

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
Seite 26 (sequence 29)
Language
German
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26 wäre es von den Juden, die so wie so stets um ihr Leben bangen müssen, durch ein solches Verbrechen Tod und Verderben über sich und ihre Familienmitglieder zu bringen; wie töricht wäre es gar von ihnen, wenn sie wirklich die Mörder wären, den Leichnam gerade an eine Stelle hinzulegen, die sofort die Spur der Täterschaft auf sie lenkt! Warum, so fragt er weiter, hört man in anderen Ländern, wo doch auch Juden wohnen, in der Türkei, nie von der Ermordung eines Kindes durch ihre Hände? Er spricht den Geständnissen, welche den dieses Verbrechens angeklagten Juden durch Folterqualen, durch grässliche Martern abgerungen wurden, jede Beweiskraft ab; auf diese Weise könnte eben jedes Geständnis erzwungen werden. Besonders weist er daraufhin, dass keiner der jüdischen Apostaten, welche die religiösen Gebräuche ihrer alten Religionsgenossenschaft doch genau kennen müssen und in ihrem Hasse gegen dieselbe nichts verschwiegen hätten, nie die Anklage des „Ritualmordes" gegen die Juden zu erheben gewagt hätten. Und sicherlich hätte der Apostat Pfefferkorn, später der grimmigste Gegner des Judentums, ein Paulus Ricius, wenn an der Blutbeschuldigung etwas Wahres wäre, das Judentum mit der Anklage derselben nicht verschont. So geisselt Osiander, indem er Argument auf Argument häuft, die gegen das Judentum gerichtete Anklage und verweist sie in das Bereich der Lüge und der Märchen. Auf den Pösinger Fall dann eingehend, zeigt er, auf wie schwachen Füssen die ganze Anklage beruhte, mit welchen Mitteln man da versuchte, den wahren Sachverhalt zu trüben, um eben eine Schuld der Juden zu beweisen. „Gott woll sich's lassen erbarmen", so ruft er aus, „dass man also mit Menschenblut umgehet. Wer will da nicht merken und sehen, dass es da eine andere Ursach' gehabt hat, darum die Juden verbrannt sind worden.denn das Kind? er hofft zu Gott, der das Blut von Menschen fordert, es werde nicht verborgen bleiben". Was aber den jetzigen gegen die Juden von Pfalz-Neuburg schwebenden Process betreffe, so halte er diese für unschuldig. Er gibt dem Herzog eine Reihe von Spuren an, die genau zu verfolgen sind, um des wirklichen Thäters habhaft zu werden. Der Herzog möge die Schuldigen ganz wo anders suchen, als unter den Juden, er möge sie suchen unter der Obrigkeit, den Anklägern, den Zeugen, dem Klerus, ja selbst unter den nächsten Bekannten und Verwandten des ermordeten Kindes. Er spricht es offen aus, dass nicht die Juden die Mörder sind, sondern diejenigen, die ihnen das Verbrechen des „Ritualmordes" vorwerfen, um sie zu verderben. Man bedenke, was in jener Zeit religiösen Hasses und religiöser Unduldsamkeit ein solches Urteil bedeutete! Dieses unparteiische Gutachten hatte wirklich zur Folge, dass der Herzog von der Haltlosigkeit der Anklage überzeugt wurde, die Juden

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