Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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27 seines Landes von der Schuld freisprach und sogar das Schreiben Osiander's ohne den Namen des Verfassers zu nennen, der Oeffentlichkeit bekannt gab. Selbstverständlich war dies den Judenfeinden, den Anklägern, ein Schlag in's Gesicht; um den Verfasser und damit den Wert der anonym veröffentlichten Verteidigungsschrift zu verdächtigen, bedienten sich schon damals die Judenfeinde ganz derselben Mittel, deren sich heute in ähnlichen Fällen ihre Gesinnungsgenossen bedienen; sie bezeichneten den Verfasser als Juden. „Er ist ein Jude gewest, er ist ein Jüde und bleibt ein Jude." Der Klerus wandte sich sogar an Protessor Johannes Eck in Ingolstadt, den bekannten Gegner Luther's und seiner Lehre, und veranlasste ihn, die erschienene Verteidigungsschrift zu widerlegen. Eck entledigte sich dieser Aufgabe, indem er nicht durch sachliche, wissenschaftliche Gegengründe, sondern in scharfen Beleidigungen und beschimpfenden Ausfällen gegen den Verfasser der Schrift zu Felde zog. Auch er bezeichnet die Schrift als „Judenbüchlein", nennt den Verfasser einen „Zungenverkäufer", einen „ungelehrten Wäscher, ein unseliges Lästermaul, Judenvater, Mameluck, Spitzbube, aus dem der Teufel rede, verruchten Schänder der Christenheit " Ja, Eck geht sogar weiter und benutzt diese Gelegenheit, um in einer besonderen Abhandlung über die Juden herzufallen und sie weidlich auszuschimpfen. War bisher „das Judenbüchlein", die Verteidigungsschrift Osiander's, nur in schwachen Andeutungen und in entstellter Form aus dieser Abhandlung Eck's bekannt, so liegt sie heute — Dank einem glücklichen Zufall zur rechten Zeit aus dem Schosse der Vergessenheit an's Tageslicht gefördert — vor und stellt sich als das hervorragendste Schriftstück dar, das in trüben Zeiten gegen den Blutaberglauben veröffentlicht wurde, als ein Denkmal der Gerechtigkeit und der Wahrheitsliebe.