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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
Seite 24 (sequence 27)
Language
German
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•24 eine Judeuhetze zu inszenieren. Zwar liegt das Gouvernement Orjol ausserhalb des den Juden angewiesenen Rayons und zählt nur wenige Juden, aber der Gouverneur kundschaftete doch einen Ort aus, in dem verhältnismässig mehr Juden leben: die Eisenbahnstation Dubrowka (Kreis Brjansk). Er heckte dann folgenden Erlass aus : Dem Schulzen des Dorfes..... Der Herr Gouverneur befiehlt Dir, Dich mit Deiner Gemeinde am 6. August in der Station Dubrowka einzufinden, um den Juden ihre Habe abzunehmen, sie zu verprügeln und Branntwein zu trinken. Der Gouverneur. Dieser Erlass wurde durch einen Hilfsbeamten des Gouverneurs in die amtliche Druckerei des Gouvernements zum Satze gegeben; in seinem Beisein vurden zweihundert Exemplare davon auch sofort gedruckt. Der Beamte nahm sie an sich und am anderen Tage fand man die Blätter in der ganzen Umgegend von Dubrowka ausgestreut. Der Plan kam aber nicht zur Ausführung, da die noch zur rechten Zeit verwarnten Juden allesamt sofort Dubrowka verliessen.....Wieder ein neues Dokument zur Frage, wo die wahren Quellen des „Rassenhasses", die wahren Quellen der Greuel, wie die in Kischenew, die man den Arbeitern aufmutzen wollte, zu suchen sind. LondOD. (Russische Juden in Südafrika.) Von Berlin aus sind zur Arbeit in den Minen von Südafrika laut einer Johannesburger „Daily-Mail"-Meldung 100/00 russische Juden per Kabel angeboten worden. Die Stelle in Berlin, die dieses Angebot macht, hatte sich kürzlich erboten, Madagassen zur Arbeit zu stellen. Das Angebot von russischen Juden soll ernst genommen worden sein, wenn man es in manchen Kreisen auch als Manöver bezeichnet. Feuilleton. Ein neu entdecktes Gutachten Andreas Oslander s gegen den Ritualmord. Ein bedeutsames, historisches Dokument, das einen ebenso scharfen, wie überzeugenden Protest gegen das Märchen des „Ritualmordes-' darstellt und im Strome der Zeit verloren gegangen war, ist vor wenigen Tagen durch einen glücklichen Zufall wieder an's Tageslicht gefördert worden. Dieses Dokument, das einzige noch vorhandene Exemplar, stammt aus der Feder des als lutherischer Reformator bekannten Andreas Osiander, der in den Jahren 1522 bis 1548 als erster evangelischer Prediger an der Lorenzkirche zu Nürnberg wirkte und sich durch eine gründliche Kenntnis des biblischen und talmudischen Schrifttums auszeichnete. Es ist bekannt, dass das Märchen des „Ritualmordes", dessen die ersten Christen von den Römern bezichtigt wurden und der noch heute in China den christlichen Missionären zur Last gelegt wird, wie ein Gespenst durch das ganze Mittelalter zog und unsägliche Leiden auf das Haupt des Judentums häufte. Zu wieder-

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