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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
Seite 23 (sequence 26)
Language
German
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ÜB — (Wie jüdische Soldaten in Russland) behandelt werden, darüber berichtet ein gelegentlicher Mitarbeiter der „Breslauer Zeitung" aus Russland folgenden Vorgang: Bevor Graf Waldersee nach China kam, führte der russische General Stessel den Oberbefehl und es wurde unter ihm die Schlacht bei Tientsin geschlagen. Bei einem dem feindlichen Feuer besonders ausgesetzten Geschütz war der Korporal und ein Teil der Bedienungsmannschaft e-efallen, die übrigen wichen vor dem Feuer zurück bis auf einen einzigen, einen jüdischen Soldaten, der bei seiner Kanone ausharrte und durch Zeichen und Rufen den Kommandierenden aufmerksam machte. Hierdurch erreichte er, dass Ersatzmannschaft an das entblösste Geschütz beordert wurde, so dass es wieder in Aktion treten konnte. Nach der Schlacht zeichnete der General Stessel den Soldaten durch eine längere Ansprache aus, ernanute ihn zum Korporal, übergab ihm eines der Ordenszeichen, mit deren Verteilung für Auszeichnung vor dem Feinde er beauftragt war, und schenkte ihm ausserdem hundert Rubel. Einige Wochen später gelangte aus der Kanzlei des Kriegsministeriums der Befehl herab, dass Juden nicht zu Unteroffizieren ernannt werden dürfen. General Siessel Hess den Mann kommen, verlas ihm den Befehl und drückte itim sein lebhaftes Bedauern aus, dass er nun genötigt sei. seine Ernennung zum Unteroffizier zu widerrufen. Der jüdische Soldat nahm hierauf die ihm verliehene Ordensauszeichnuug von seinem Rock, zog die ihm geschenkten hundert Rubel aus der Tasche, legte beides auf den Tisch und sagte : „Bitte, Exzellenz, gehorsamst zu verzeihen; ich bin ein armer Mann, der zu Hause oft nicht weiss, woher er das Brot nehmen soll. Aber hier ist auch der Orden und die hundert Rubel." — Diese Geschichte ging seinerzeit in Russland von Mund zu Mund, und wie man sagt, soll sie auch zu Ohren des Zaren gekommen sein, der sich über das Vorkommnis sehr erregt ausgesprochen habe. Dass aber jener Befehl zurückgenommen worden sei, davon hat niemand etwas erfahl en. Jedenfalls ist dem tapferen Soldaten irgend eine Genugtuung nicht zuteil geworden. — (Ein russischer Geheimerlass über die Juden) ist dem russischen Korrespondenten der „Times* in die Hände gefallen. In einem geheimen Rundschreiben des russischen Ministers des Innern an die Gouverneure der Provinzen und an andere Behörden wird aufgefordert, über die Schwierigkeiten zu berichten, auf die man bei Durchführung der auf die Juden bezüglichen Gesetze gestossen wäre. Das sehr lange Zirkular gibt zu, dass viele der Gesetze veraltet, einander widersprechend und im Wortlaut ungenau seien. Die Folge davon wäre, dass die Auslegung nicht nur in verschiedenen Gerichtshöfen, sondern manchmal in einem und demselben Hofe eine verschiedene sei. Selbst der oberste Appellationsgerichtshof, der Senat, habe zu verschiedenen Zeiten diese Gesetze widersprechend ausgelegt Die Regierung finde es unter diesen Umständen notwendig, eine Revision der Gesetze vorzunehmen und sie zu verbessern. Der ganze Inhalt des Schriftstückes läuft darauf hinaus, dass die Behandlung der Juden durch die Gouverneure der Provinzen in vielen Fällen eine strengere gewesen sei, als das Gesetz gestattet. In einigen Fällen habe sich der Senat sogar genöthigt gesehen, zu erklären, dass die Gouverneure ungesetzlich vorgegangen seien. Eine solche Erklärung schädige aber die Autorität der Gouverneure. Man glaubt, wie der „Times"-Korrespondent meldet, aber keineswegs, dass die Absicht des Erlasses die sei, die Gesetze zu mildern, sondern vielmehr die, die Gouverneure vor einer Kritik in der Zukunft dadurch zu .sichern, dass man einen Appell der Juden an den Senat in Zukunft schwieriger gestaltet. — (Judenhetzen auf hohen Befehl.) Von dem Gouverneur von Orjol erzählen die Zeitungen folgendes auf Grund eines authentischen Aktenmaterials beruhendes Geschichtchen : Vom Wunsche beseelt, sich durch besonderen Eifer hervorzutun und dabei natürlich von der allgemeinen Politik seines Gönners des Minister Plehwe, inspirirt, kam der Gouverneur auf die gescheite Idee, in dem ihm unterstellten Gouvernement ganz auf eigene Hand

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