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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
Seite 21 (sequence 24)
Language
German
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21 Der Angeklagte Dr. Max Schornstein wird von der Anklage treigesprochen, da die Aeusserungen nicht den Tatbestand einer Ehrenbeleidigung bilden. Der Kläger hat dem Geklagten an Vertretungskosten 40 K zu ersetzen. Dr. Köcher meldete gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung an. Die Ergebnisse des Prozesses haben Herrn Seifeit zu einer rührenden Jeremiade veranlasst, in der es u. a. heisst: „Wir baben bereits vor Jahren einmal anlässlich einer Auseinandersetzung mit einem gegnerischen Blatte ausgeführt, dass es allerdings wahr ist, dass unsere Druckerei auch jüdische Kundschaften hat, doch wird darin jeder objektiv Denkende wohl keine Schande erblicken, denn es wäre ein vollständig falscher Grundsatz, das Geld, das einem der Gegner zu verdienen gibt, nicht zu nehme n." — Man weiss nun freilich nicht, ob man mehr über die lumpige Moral des Heirn Seifert lachen oder über die Gedankenlosigkeit jener Juden, die mit einen solchen Herin in Geschäftsverbindung treten, sich ärgern soll. Bozen (Eine k 1 e r i k a*l e Kundgebung gegen den Antisemitismus.) Bei der am 18. November stattgefundenen feierlichen Eröffnung des Pius-Saales in Bozen hielt der klerikale Redakteur Dr. Jehly aus Innsbruck die Festrede, in deren Verlaufe er die gläubigen Christen eindringlich vor dem Prinzip des Antisemitismus warnte, „Man pflege zur Entschuldigung zwischen dem Rassenantisemitismus und einem sogenannten christlichen zu unterscheiden. In der Tat gebe es nur einen konsequenten und einen inkonsequenten Antisemitismus; aber die Grenze sei oft schwer zu finden. Im niederösterreichischen Landtag habe ein Mitglied der Majorität ,erst kürzlich und ohne Widerspruch erklärt, im Punkte des Antisemitismus sei er heute noch Schönerianer, sein Spruch sei: „Die Religion ist uns einerlei — in der Rasse liegt die Schweinerei"; es sei also der Vernichtungskampf gegen die Rasse als Programm proklamiert, gegen jene Rasse, aus welcher der Gottessohn seine Menschheit angenommen, aus welcher die (rottesmutter und die Apostel stammen. Der Antisemitismus, folgerichtig angewendet, sei nichts als der Nationalismus in seiner höchsten Potenz." Redner bespricht nun den Nationalismus als ein unchristliches und antiösterreichisches Prinzip, besonders aber die Folgen desselben für Oesterreich; er erinnert an den Ausgleich vom Jahre 1867, wo der deutsche Liberalismus diesseits der Leitha dem magyarischen Liberalismus jenseits die Hand gereicht hat zur Unterdrückung der übrigen Nationalitäten, wo man Oesterreich staatsrechtlich aufgegeben habe. Die Rede fand bei den Versammelten, unter denen sich mehrere klerikale Abgeordnete und zahlreiche höhere Geistliche befanden, reichlichen Beifall. Gzernowl^Z. (R u m ä n i s c h-a ntisemitische Hetze in der B u k o w i n a.) In der Sitzung des Bukowinaer Landtages vom 2. November richtete der Abgeordnete Dr. S trau eher an den Landespräsidenten folgende Interpellation: „Vorgestern ist mir von einem befreundeten Herrn auf dem flachen Lande ein Brief zugekommen, welchem eine Broschüre angeschlossen ist. Diese Broschüre wird mir zur eingehenden Lektüre und zum gewissenhaften Studium empfohlen, nicht etwa deshalb, weil der Inhalt dieser Lektüre ein hervorragendes literarisches Produkt ist, srndern im Gegenteil, weil diese Broschüre zu jener Brandliteratur gehört, welche in den letzten Jahren in einigen Teilen unserer Monarchie verbreitet wird und in welcher die Verhetzung von Klassen und Konfessionen in der brutalsten Weise gepredigt werde Diese Broschüre betitelt sich, um Ihre Neugierde nicht auf die lange Bank zu ziehen, wie folgt. Sie stammt von einem Herrn M. Savel und heisst: „Istoria Judaismului si jidanii in Romania", erschienen in Jassy 1902. Ich habe diese Broschüre innerhalb dieser kurzen Zeit einer allerdings nicht sehr eingehenden Lektüre unterzogen und finde, dass in derselben das Brutalste, Niederträchtigste und Gewissenloseste ist, was überhaupt in den letzten Jahren auf dem Schandgebiete geleistet woiden ist. (Abg. Dr. Aurel v. Onciul: Fortsetzung der Flondor'schen Hetze.) Diese Broschüre wird im Bezirke Radautz verbreitet, und zwar wird sie verteilt an die Kirchensänger, Volksschullehrer und auch an die Geistlichkeit; sie fällt aber nicht vom Himmel, gewisse

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