Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9756662-9602757-9603029--0889-9603050- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
* 19 drucke kam, der dem Redner gespendet wurde. In der anschliessenden Diskussion kamen wertvolle Anregungen und Wünsche zum Ausdruck. Herr Professor Dr. Königstein sprach den Wunsch aus nach Heranbildung jüdischer Dienstmädchen in Galizien und Errichtixng von Kochschulen daselbst. Der Hilfsverein möge mit dieser Frage sich befassen. Herr Dr. Arnold Ascher wies darauf hin, dass in mehreren grösseren Städten Galiziens von der Baron Hirsch-Stiftung subventionierte Kochschulen bestehen, deren Kosten sehr bedeutend, deren Erfolge aber auch recht befriedigend sind. Mädchen die in diesen Kochschulen herangebildet wurden, eignen sich vortrefflich zu Köchinnen, besonders für Häuser, in denen auf streng koschere Küche grosser Wert gelegt wird. Herr Siegfried Fleischer empfiehlt dem Hilfsverein die Förderung von Produktiv-Genossenschaften in Galizien überhaupt und speziell der Genossenschaft der Tarnopoler Tischler, die sich aus der eigenen Initiative und Kraft ihrer Mitglieder gebildet hat. Herr Pichard Teweles empfiehlt die Veranstaltung von Wanderversammlungen in den einzelnen Wiener Bezirken. Ausserdem regt er die Einführung der Teppichknüpferei in Galizien neuerdings an Herr Ferdinand L ö w y, sowie Herr Dr. Jakob Bauer wünschea besonders eine lebhaftere Agitationstätigkeit seitens der Wiener Ortsgruppen. Förmliche Beschlüsse werden über die geäusserten Wünsche und Anregungen nicht gefasst, sie werden jedoch der Vereinsleitung zur Berücksichtigung und Würdigung empfohlen. Sodann wurden die Vertreter der Wiener Ortsgruppen zur Generalversammlung des Hilfsvereines gewählt. [^^SS^SSi Wall-MeseritSCll. Vor wenigen Tagen verschied unser tatkräftiger und zielbewusster Kultusvorsteher, Herr Ignaz Low, tiefbetrauert nicht nur von unseren Glaubensgenossen, sondern auch von allen nichtjüdischen Mitbürgern, welche den Edelsinn, die Menschenfreundlichkeit und die rastlose Hingabe des Verewigten an das Gemeinwohl im vollsten Masse zu würdigen wussten. Auch die „Oesterreichisch-Israelitische Union" beklagt in dem Dahingeschiedenen einen warmen Förderer ihrer Bestrebungen und einen ausgezeichneten Mitarbeiter. Wir werden sein Andenken stets iu Ehren halten. Prag. (Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag.) Unter lebhafter Beteiligung fand am 15. iNovember die ordentliche Generalversammluns: unter Vorsitz des Obmannstellvertreters Herrn Lieb er s statt. Derselbe gibt zunächst bekannt, dass der in der Vorwoche verstorbene Herr Is:uaz Rosenberg in hochherziger Weise der Handwerker- Abteilung 8000 K letztwillig zugewendet hat. Aus dem sodann von Herrn Dr. Weltsch erstatteten Geschäftsberichte ist die Wirksamkeit des Vereines in sozialer und kultureller Richtung und die Erfüllung aller programmässig übernommenen Pflichten zu entnehmen. Der Bericht gedenkt insbesondere auch ehrend des verstorbeneu Ausschussmitgliedes Herrn Dozenten Dr. Herrnheiser, registriert die bedeutsamen Vereinsveranstaltungen und Vortragsabende, berührt die wirtschaftliche Lage und die bisherigen positiven Erfolge des Vereines, sowie die Beziehungen zu den Korporationen ähnlicher Richtung und widmet nach Erwähnung der bei verschiedenen Anlässen erfolgten Kundgebungen des Vereines nach Aussen hin, auch den beklagenswerten Kischenewer Opfern herzliche Worte des Mitgefühls. Nach dem von Herrn J. Glücksmann erstatteten Kassa- sowie dem Revisionsberichte beläuft sich das gesamte Vereinsvermögen — ausschliesslich der Fonds der Krankenpflegerinnen — auf 41.800 K 89 h. Der Bericht der Handwerkerabteilung (Referent M. L i e b e r s) stellt das Gedeihen dieses Instituts, auch des erst vor wenigen Jahren gegründeten Lehrlingsheimes fest; insbesondere wurde heuer aus den Mitteln des Vereines eine Anzahl Schlosser nach Berlin und Speyer, wo sich ihnen lohnende Arbeit bot, weiterbefördert; 9 Lehrlinge wurde wieder freigesprochen und bei der sommerlichen Schulschlussfeier eine grosse Anzahl verdientermassen prämiirt. Die Präsidentin der Krankenpflegerinnensektion Frau Loipen entrollt hierauf ein anschauliches Bild der auf weit über Böhmen hinaus anerkannten Sektionstätigkeit, für die nur noch eine regere Unterstützung weiterer Kreise wünschenswert erschiene. Auch Herr Direktor Wertheimer für