Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9756662-9602757-9603029--0888-9603049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 Die Affaire Leistyna. In unserer November-Nummer berichteten wir, dass der jüdische Posthilfsbeamte Jakob Leistyna in Gemeinschaft mit dem Postbeamten Pajor und zwei Postamtsdienern wiederholt beobachtet hatte, wie der Postoffizial J u 1 i u s Kornecki beim Postamte Dembica Briefe spoliierte und entwendete. Die Postdirektion Lemberg übergab die Protokolle der Staatsanwaltschaft in Tarnow. welche das Verfahren gegen Kornecki einstellte, dagegen Jakob Leistyna verhaftete und nach fünfmonatlicher Untersuchungshaft wegen Verbrechens der Verleumdung und des Betruges vor den Tarnower Geschworenen anklagte. Das Schwurgericht sprach Leistyna vom Verbrechen des Betruges frei und verurteilte ihn wegen Uebertretung des Betruges zu vierzehntägigem einfachen Arrest. Der Oberste Gerichtsals Kassationshof hat nun der Nichtigkeitsbeschwerde des Jakob Leistyna in nicht öffentlicher Sitzung Folge gegeben, das Urteil des Schwurgerichtes Tarnow aufgehoben und die Sache zu neuerlicher Verhandlung vor ein Erkenntnisgericht verwiesen. Die Verteidigung bei dieser zweiten Verhandlung hat der Tarnower Advokat Herr Dr. E. Goldhammer über. Die Judenhetze in Tirol. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft scheint nun doch gegen die Hetzereien der Tiroler Antisemitenpresse etwas grössere Energie aufbieten zu wollen. Sie hat die „Tiroler Post" vom 28. v. M. wegen des Leitartikels „Antisemitisch oder nicht?", welcher das Vergehen nach § 302 Str.-G. begründete, mit Beschlag belegt. Die „Tiroler Post" stimmt ob dieser Konfiskation eine herzbewegliche Klage an. Korrespondenzen. Wien. (Die Jahresversammlung der Wiener Ortsgruppe des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizi^n-) fand am 26. November d. J. im grossen Saale des Hotel Guth statt. Zum Vorsitzenden wurde von den Obmännern der Wieuer Ortsgruppen der Obmann der Ortsgruppe „Wien II" Herr Dr. Wilhelm Knöpfmacher gewählt. Nachdem er die Versammlung begrüsst und die Aufgaben der Ortsgruppen dargelegt hatte, erteilte er zur Berichterstattung über die Hilfstätigkeit des Vereines dem Schriftführer der Ortsgruppe „Wien I" das Wort, da dieser als Sekretär des Hilfsvereines mit allen Einzelheiten der Industrie-Einführung in Galizieu vollkommen vertraut ist. Die Mitteilungen des Berichterstatters über den Stand der Haarnetz-Industrie, die Spiel- und Drechslerwaren, Korbflechterei und Kleider-Konfektion fauden das lebhafteste Interesse der Versammlung, deren grosse Befriedigung über die ausserordentlich irüustigen Resultate der Haarnetz-Industrie und die vielversprechenden Anfänge der Export-Kleiderkonfektion in dem lebhaften allgemeinen Beifall zum Aus- J & y/i