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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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5 In Nr. 1733 vom 27. November 1903 wird gesagt, dass die Juden täglich Infamien gegen das Herz der Gesellschaft vollführen, in Nr. 1741 vom 6. Dezember wird erzählt, dass der Pfarrer von St. Elia und sein Diener im Jahre 1840 auf schreckliche Weise von sechzehn Juden ermordet wurden. Dann heisst es weiter: „Die wilden Abkömmlinge Sems warfen sich im Jahre 1812 wie die Geier auf die Toten und Erschlagenen des grossen Heeres und beraubten sie aller Wertsachen." Im 6. Absätze heisst es wörtlich: „Jedermann ist mehr als überzeugt, dass die Juden überdies Juden der schlechtesten Sorte sind." Im letzten Absätze wird gesagt, dass der Jude den Christen als Feind betrachtet, dass er in seiner semitischen Wut ihn mit einer Schlange verglichen hat, dass er sich überall in die geheimsten Windungen der menschlichen Gesellschaft einschleiche, um einen grausamen Krieg gegen alld diejenigen zu führen, welche sich nicht mit ihm solidarisch fühlen. Die „Oesterreichische Volkspresse" in Wien brachte am t>. December eine Notiz unter dem Schlagwörter „Hinaus mit den Juden aus dem Aerztestande". Die „Deutsche Zeitung" in Wien berichtet am 8. Dezember über eine am 7. Dezember in der Volkshalle des Rathauses stattgefundene Festvei'sammluug des Vereines „Christliche Familie". Nach diesem Berichte hat Geuieinderath Franz Schneeweiss in der erwähnten Versammlung u. a. gesagt, dass die Austreibung der Juden sehr human durchgeführt werden könne, indem man bei Ihnen einfach nichts einkaufe. Der Redner schloss mit den Worten : „ W erft ihnen vor die Thor' die Binkel oder werft sie wieder in die Ghettowinke 1". Das „Deutsche Volks blatt" brachte in den letzten Wochen ganze Proskriptionslisten jüdischer Aerzte. All' das wird ruhig geduldet, obgleich die Verletzung des § 302 Str.-G. zweifellos gegeben erscheint und die Staatsanwaltschaften ex offo die Pflicht hätten, dagegen einzuschreiten. Wird gegen diese Unterlassung — um nicht zu sagen Pflichtversäumnis — Beschwerde erhoben, dann wird man auf einen ganz speziell österreichischen Auswuchs unseres parlamentarischen Lebens verwiesen. In allen Parteien, namentlich aber in den antisemitischen, hat sich die Praxis eingebürgert, dass Zeitungsartikel, welche der gerichtlichen Beschlagnahme verfielen, durch Einbringung von Interpellationen immunisirt werden. Und nicht mit Unrecht beklagt es die Justizverwaltung, dass dann die Artikel in Form von B'lugschriften ihre Wiederauferstehung feiern und dass sie gegen die Vervielfältigung und- Verbreitung derselben machtlos sei. Das ist ja richtig. Allein die Immunisirung und Verbreitung konfiszierter Artikel stiftet beiweitem nicht einen so grossen Schaden als die Passivität der Staatsgewalt, welche die naive Menge zu dem Glauben verleitet, dass alle Aufreizungen zu Hass und Feindseligkeiten gegen die Juden, alle Aufforderungen zu Boykottierun gen und Austreibungen unserer Glaubensgenossen unter derPatronanz der Staatsgewalt stehen. Dieser Glaube stimulierte vor fünf Jahren die Plündererbanden in Westgalizien und stimulierte auch jetzt die Mörder von Kischenew zu ihrem grauenhaften Werke. i I

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