Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 29 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
- Pinsk 1× ep/1045440
- Wrocław 1× ep/1002369
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29 persönliches liebenswürdiges Wesen sicherten ihrh die Achtung und Liebe seiner Kollegen. Wer jema's Gelegenheit hatte, das selbstlose Wirken Plotke's im Dienste echter Humanität zu beobachten, musste ihn hochschätzen. Julius PJotke wurde am 5. Oktober 1857 in Porck, Provinz Posen, als der Sohn eines Kaufmannes geboren. Er besuchte das Gymnasium in Krotoschiu und studierte Jurisprudenz an der Universität zu Berlin. Als Eeferendar war er in Schweidnitz, Breslau, Limburg und Bockenheim tätig. Nach bestandenem zweiten Staatsexamen liess er sich 1885 in Bockenheim als Rechtsauwalt nieder. Im Jahre 18S8 verlegte er seine Tätigkeit nach Frankfurt, um sich mit Justizrat Dr. S. Puld zu assoziieren. 1902 wurde ihm das Notariat, das ihm früher schon in Bockenheim übertragen war, verliehen. Die Beerdigung des Verstorbenen fand am 28. September, Vormittag 10 Uhr, vom Portal des israelitischen Friedhofes aus statt. Warschau. (Sonderbare Berichterstattung.) Am Montag voriger Woche brachte das amtliche Organ der russischen Regierung, der „Prawitelst wennyj Wjestniku,in seinem amtlichen Teile folgende Mitteilung : Am 30. August (a. >t.) wurde in P i n s k in der Strasse, in welcher die jüdische Schule liegt, ein elfjähriger Knabe uamens Kisselew, als er gegen neun Uhr Abends aus dem Kloster in der Lagoschunerstrasse heimkehrte, von drei Juden überfallen, bis zurBewusstlosigkeit mit Stöcken geschlagen, an der Hand verwundet und halbtot am Ufer des Pina-Flusses hingeworfen. Dort wurde er von drei Schiffsarbeitern aufgefunden. Als er zur Besinnung kam, erzählte er den Vorfall mit dem Hinzufügen, dass einer der Juden Samuel Pomeranz heisst. Der Ueberfall erfolgte plötzlich und ohne jeden Anlass. Der lokale Untersuchungsrichter ist mit der Angelegenheit beschäftigt. Es musste einiges Erstaunen erregen, dass das amtliche Organ der russischen Regierung einem rein lokalen Ereignisse eine so grosse Bedeutung beilegte, und man durfte daher wohl annehmen, dass damit ein bestimmter Zweck verfolgt werde. Nun wird der „Jüdischen Presse" aus P i n s k vom 25. September geschrieben, dass am Äloutag vorher der Gouverneur von Minsk völlig unerwartet in Pinsk einiraf. Der Gendarmerieoberst, dei Polizeimeister und der Jsprawnik (Landrat) begegneten ihm auf dem Bahnhofe. Seine erste Frage war: „Was ist's mit dem jungen Kisselew?" Die Spitzen der Ortsbehörden waren nicht wenig erstaunt: sie wussten nämlich absolut nichts von dem geringfügigen Vorfall, und verwunderten sich deshalb doppelt, zu hören, dass der Gouverneur die telegraphische Ordre aus Petersburg erhalten hatte, sich wegen dieses Vorfalles sofort nach Pinsk zu begeben. Die uunmehr angestellte Untersuchung ergab, dass der Kisselew nicht ein „elfjähriger Knabe", sondern ein achtzehnjähriger, sehr rabiater, streitsüchtiger Arbeiter ist. Er hatte Händel mit einem jüdischen Arbeiter, erhielt dabei einen Ritz an der linken Hand, der längst vernarbt ist und so unbedeutend war, dass er schon am Tage nach der Schlägerei zur Arbeit ging. Bis jetzt scheint der „Praw. Wjestnik" noch keine Berichtigung gebracht zu haben. St. Petersburg. (Einen Beitrag zur Judenfrage auf dem Lande) bringen die „Nowosti" in Gestalt eines sehr charakteristischen Beschlusses der Gemeindeversammlung des Dorfes Nowospassowo im Mariupolschen Kreise (Gouv. Jekaterinoslaw). — Es handelt sich darum, dass die in dem genannten Dorfe wohnhaften Juden, erschreckt durch „thörichte" Gerüchte von einer gegen sie geplanten Hetze, der Obrigkeit eine bezügliche Meldung gemacht hatten. Die Nowospassowzer erfuhren davon, geriethen in furchtbare Empörung und fassten auf einer Gemeindever sau mlung nachstehenden Beschluss: „Am 18. d. M. im Jahre 1903 hielten wir Endesunterzeichneten eine Beratung aus dem Anlass, dass die im Dorfe Nowospassowo lebenden Juden auf Grund thörichter Geiüchte bei der Obrigkeit die Anzeige gemacht hatten, einige unserer Dorfgenosseu, oder, wie sogar der Ausdruck lautete, die ganze Dorfgemeinde, beabsichtigen eine Judenhetze in's Werk zu setzeu und eine