Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 23 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Am 9. Juli d. J. wurde auf dem Wege zwischen J a k a bfa 1 u (Ungarn) und dem Badeorte Neu-Lublo ein Mädchen ermordet aufgefunden, das täglich die Post von Jakabfalu nach Neu-Lublo zu überbringen hatte. Der Verdacht der Täterschaft wurde durch den dortigen Lehrer Nikolaus Kakaez — einen klerikalen Parteigänger — auf-den Sohn Gabor des jüdischen Fleischhauers Isak N a j u s gelenkt, welcher sofort verhaftet wurde und sich noch gegenwärtig in Leutschau in Untersuchung befindet. Gabor Najus pflegt »nach Neu-Lublo Fleisch in die dortige Restauration des Hörl zu führen. Die Schwiegermutter des Hörl gab als Zeugin an, dass Gabor Najus an diesem Tage ihr das Fleisch brachte und das Geld dafür übernahm, dabei jedoch es sehr eilig hatte und dass ihr dessen Eile aufgefallen sei. Durch andere Zeugenaussagen stellte sich jedoch heraus, dass an diesem Tage nicht die Schwiegermutter das Fleisch übernahm, sondern der Gastwirt Hörl selbst, der dafür gar nicht gezahlt und blos in dem Lieferungsbüchel eigenhändig das Gewichtsquantum eingeschi ieben hatte. Die Zahlung erfolgte erst später. Viele in der Untersuchung geführte Belastungszeugen gaben an, dass sie von der ganzen Affaire gar nichts wissen und dass ihnen der Lehrer Nikolaus Kakaez 50—100 Kronen dafür versprochen habe, wenn sie für Gabor Najus belastend aussagen würden. Nichtsdestoweniger wird Najus noch immer in Leutschau in Haft gehalten. — Wir haben diese Angelegenheit dem Sekretär der Israelitischen Landeskanzlei in Budapest, Herrn kgl. Rath Josef Simon, zur Erledigung abgetreten. Die Rede eines Offiziers. Aus Przemysl wird geschrieben: Durch einen Befehl des X. Korpskommandos wurde sämtlichen kommandirenden Offizieren aller Waffengattungen zur Pflicht gemacht, die Soldaten darüber zu belehren, warum sie trotz der beendeten dreijährigen Dienstpflicht noch weiter in den Kasernen bleiben müssen. Ob bei dieser Gelegenheit den Offizieren auch die entsprechenden Weisungen gegeben wurden, wie und mit welchen Argumenten sie die Propaganda bei den Soldaten zu machen haben, wissen wir nicht; nach den Mitteilungen verschiedener Blätter soll jedoch Oberlieutenant Formanek von der 10. Kompagnie des 10. Infanterieregiments bei diesem Anlass eine Rede voll beleidigender Aeusserungen gegen die Juden, deren Wortlaut wir nicht wiedergeben können, weil sie mittlerweile von der k. k. Staatsanwaltschaft in Krakau konfisziert wurde, gehalten haben. Auf dem Heimwege von den Uebungen sollen die Soldaten die Juden, die sie unterwegs trafen, wie auch ihre eigenen jüdischen Kameraden bedroht haben.