Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 22 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9756662-9602757-9602988--0850-9603012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 Ist die hohe Regierung bereit, dafür zu wirken, dass das Schulgesetz endlich auch in Galizien und der Bukowina verwirklicht, dass die Zahl der Schulen und Lehrer entsprechend vermehrt, dass der Schulzwang durchgeführt und dass dem Volke ein Mass von Wissen zugeführt werde, welches es gegenüber den lügnerischen und verleumderischen Berichten, mit denen man es derzeit vergiftet, selbständig und widerstandsfähiger macht," Dr. Ofner, Seitz, Eosenzweig, Dr. Gross, Dr. Vogler, Cingr, Dr. Ellenbogen, Eldersch, Hybes, Josef Hannich, Pernerstorfer, Wrabetz, Rieger, Noske. Neue Ritualmordmärchen. Aus Chyrow bei Sambor theilt uns der Rabbiner Rimald folgenden Vorfall mit, welcher sehr bezeichnend ist für die niederträchtige Lüge, die zur grausamen Verfolgung der Juden ausgebeutet wird. An einem Sonntag nämlich verweigerte plötzlich die beim Rabbiner bedienstete christliche Magd jeden Gehorsam mit der Motivirung, man habe ihr nachts während des Schlafes Blut von den Händen abgezapft, und zeigte wirklich Blutspuren an den Händen. Vergebens bemühte man sich, sie von dem Wahne abzubringen, indes man die Blutspuren leicht weggewaschen hatte, ohne dass irgend eine Wunde zu bemerken war, ausser einer unbedeutenden Ritze, die von einer Nadelspitze herzurühren schien. Der Rabbiner Hess sofort zwei Aerzte, einen christlichen und einen jüdischen, und den Gendarmerie-Wachtmeister holen. Aber auch ihnen gegenüber hielt das Mädchen an seiner Behauptung fest, für welche jedoch die eingeleitete Untersuchung nicht den geringsten Anhaltspunkt ergab. Schliesslich gestand die Magd, die Ritze absichtlich sich selbst beigebracht zu haben und dass das Blut davon herrührt, dass dem jüdischen Mädchen, welches ebenfalls beim Rabbiner bedienstet ist, während der Nacht Blut von der Nase geflossen sei; mit diesem Blute hat die christliche Magd ihre Hände gefärbt. Dieselbe wurde sofort dem Gerichte in Sambor eingeliefert, wo sie sich wegen Verleumdung zu verantworten haben wird. Dieser Vorfall konnte leicht zu verhängnisvollen Ausschreitungen gegen die Juden fuhren, da der Bischof aus Przemysl gerade zur Einweihung einer Kirche in Chyrow anwesend war, und infolge dessen eine grosse Anzahl Bauern der Umgegend sich dort einfand. Unter der Menge wurde tatsächlich bereits eine Aufregung bemerkbar, und es ist nur der Einsicht und der Geistesgegenwart des Rabbiners zu verdanken, dass es nicht zu ernsten Krawallen gegen die Juden kam. * * - ,