Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 21 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Die Staatsanwaltschaft in Kolomea hat nachträglich, wie uns unterm 25. September aus Kolomea berichtet wird, nicht nur gegen die verhafteten Bauern, sondern auch gegen den Finanz wach-Oberaufseher S k a 1 s k i und den Gemischtwarenhändler Krzywiecki die Untersuchung wegen schwerer körperlicher Beschädigung und wegen des Verbrechens des Auflaufes eingeleitet. Charakteristisch ist die Tatsache, dass die beiden Gerichtsärzte in Zablotow, von denen einer jüdischer Konfession ist, in ihrem Parere die Verletzungen des Jüdel Karpel und des Mordko Burg als leichte bezeichneten. Ueber Veranlassung Dr. S c h o r r's ist am 28. September eine neuerliche kommissioneile Untersuchung dieser beiden Opfer durchgeführt worden, wobei konstatiert wurde, dass dem Jüdel Karpel ein Auge ausgestochen, die Zähne des Oberkiefers ausgeschlagen wurden und dass derselbe überdies noch eine Gehirnerschütterung erlitten habe. Auch bei M o r d k o Burg wurde eine doppelt qualifizierte schwere körperliche Verletzung am Kopfe festgestellt. * * * Eine Anfrage an den Ministerpräsidenten. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 23. September 1903 richteten die Abgeordneten Dr. Ofner und Genossen an den Ministerpräsidenten eine Interpellation, in welcher es nach Anführung des Tatbestandes heisst: „Man fühlt sich bei Ausbrüchen solcher Barbarei in das finsterste Mittelalter zurückversetzt. ,; % .... $üj. £gg Die Interpellanten laden nicht die schwerste Schuld auf die Täter selbst. Sie sind vertiert, weil man sie vertieren lässt. In so furchtbarer Roheit spiegeln sich die Zustände eines Landes, dessen Bevölkerung noch zu zwei Drittel aus Analphabeten besteht. Die Hauptschuld trifft die Hetzer, die aus anderen als bäuerlichen Kreisen kommen. Die Schuld trifft auch manche zur Aufrechthaltung der Sicherheit bestellte Organe, die, statt einzugreifen, morden und plündern lassen, um nachträglich in Gemütsruhe ein Protokoll aufzusetzen. Die Interpellanten stellen die Anfrage: „„Ist Seine Exzellenz bereit, eine strenge Untersuchung einzuleiten, um namentlich die geistigen Urheber der sich in Galizien häufenden antisemitischen Exzesse, die Hetzer und Verführer der Volksmasse, ausfindig zu machen und der gebührenden Strafe zuzuführen? Ist die hohe Regierung bereit, durch geeignete Vorkehrungen dafür zu sorgen, dass Sicherheitsorgane bestellt werden, welche unparteilich ihre Pflicht tun und Exzessen, die Menschen und Gut bedrohen, rechtzeitig entgegentreten?