Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Es folgen nunmehr die Aussägen von 35 Zeugen, die insbesondere für Skalski und Krzywiecki belastend sind. Das Memorandum schliesst mit folgenden Worten: „Euer Exzellenz! Wir sind überzeugt, dass Euere Exzellenz in Erfüllung der hohen Mission, welche Sie sich bei Uebernahme des Justizportefeuilles gestellt haben, auch in diesem unerhörten Falle, wo Leben, Gesundheit und Eigenthum friedliebender und rechtlicher Menschen ohne jede Veranlassung — wie dies schon der Bezirksmarschall und Abgeordnete M o y s a vor Sr. Majestät dem Kaiser festgestellt hat — angegriffen und verletzt wurden, alle erforderlichen Massnahmen treffen werden, damit die Wahrheit an den Tag komme und Gerechtigkeit geübt werde gegenüber den Tätern und deren Opfern, und dass insbesondere Diejenigen der gerechten Strafe nicht entgehen, welche nur die blindwütige Menge zum Werkzeuge ihres Hasses benützten. Es bedarf vor Euerer Exzellenz keines Hinweises darauf, welche furchtbare Wirkung es auf die aufgereizte Bauernschaft üben muss, wenn eine Amtsperson in Uniform und mit blanker Waffe das Zeichen zu solchen Exzessen gibt und sich selbst an die Spitze der Exzedenten stellt. Wenn die gerichtliche Untersuchung die Richtigkeit der Zeugenaussagen ergeben sollte, dass der Finanzwach-Oberaufseher Eduard S k a 1 s k i zu diesen Exzessen angereizt und an denselben teilgenommen hat, dann zweifeln wir nicht daran, dass diesen Mann sein verdientes Schicksal ereilen wird. (Folgen die Unterschriften.) Das Justizministerium hat unverweilt die erforderlichen Weisungen behufs rücksichtsloser und unparteiischer Durchführung der Untersuchung erteilt. Der Delegirte der „Union" hat den Advokaten Dr. S. L. S c h o r r in Kolomea zum Vertreter der Privatbeteiligten bestellt, dem die Aufgabe zufällt, neben den Interessen der Geschädigten auch alle Beweisanträge zu stellen, die zur Ermittlung der Wahrheit erforderlich sind. Bei dem Empfange der Bezirksdeputation in Chlopy hat der Bezirksmarschall des Sniatyner Kreises, Abgeordneter M o y s a, auf die diesbezügliche Frage des Kaisers ausdrücklich konstatiert, dass die Juden zu den Zablotower Exzessen nicht dieleiseste Veranlassung gegeben hatten. Der Kaiser hat eine strenge Untersuchung angeordnet, und auch der Statthalter Graf P o t o c k i hat der bei ihm erschienenen Deputation jüdischer Abgeordneter aus Galizien die Versicherung erteilt, dass er sich bereits veranlasst gesehen habe, auf das Energischeste derartige Ausschreitungen zu unterdrücken. Wir wollen hoffen, dass diese Zusagen eingehalten werden.