Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Es wurden siebzehn Bauern verhaftet, allein die beiden Personen, welche von zahlreichen, durchaus glaubwürdigen Zeugen als die intellektuellen Urheber und Anstifter des Exzesses bezeichnet werden, der Finanz wach-Oberaufseher S k a 1 s k i und der Gemischtwarenhändler Krzywiecki, sind noch immer auf freiem Fuss und verkehren ungehindert mit allen Ämtspersonen. Es erregt auch Befremden, dass der aus Kolomea eingetroffene Untersuchungsrichter bisher zahlreiche Zeugen, welche sich ber ihm mit der Erklärung gemeldet haben, dass sie wichtige und entscheidende Depositionen abzugeben hätten, nicht vorgeladen hat. Obwohl die Verletzungen des Mordko Burg und des Jüdel Karpel sich als so schwere darstellten, dass man zwei Tage lang an ihrem Aufkommen zweifelte und dass Mordko Burg bei seiner ersten Einvernahme von dem Untersuchungsrichter des Bezirksgerichtes in Eid genommen wurde, mit der Bemerkung, er könne jeden Augenblick sterben, lautet doch das Parere der beiden Gerichtsärzte Dr. Rosmarin und Dr. L i c dahin, dass hier Verletzungen vorliegen, deren Heilung nur bis zu zwanzig Tage dauern werde. Euere Exzellenz! Die Exzesse von Zablotow, bei welchen in frevelhafter Weise ein falsches Gerücht ausgestreut wurde, um die urteilslose bäuerliche Bevölkerung gegen die Juden aufzureizen — denn es ist weder der Name der angeblich abgeschlachteten Bäuerin genannt, noch ist eine solche Bäuerin irgendwo abgängig — sind nicht vereinzelt geblieben. Auch inKulaczkowec und in Gwodzz i e d z im Bezirke Kolomea kam es bei den in letzter Woche stattgefundenen Jahrmärkten zu Exzessen gegen die Juden, die glücklicherweise durch das energische Eingreifen der Gendarmerie noch im Keime erstickt werden konnten. Allein diese Häufung von Angriffen auf unsere Glaubensgenossen in Ostgalizien beweist, dass die Stimmung der dortigen Bevölkerung eine überaus erregte ist und dass die Gefahr eines Uebergreifens der in Russland anscheinend amtlich protegierten Bewegung gegen die Juden, die Gefahr der Ermordung und Beraubung unserer Glaubensgenossen in stetigem Wachsen begriffen ist. Angesichts dieser Gefahr gibt es nur ein einziges Mittel, um die aufgewühlte und irregeleitete Bevölkerung zu ernüchtern: Das ist die energische uud unparteiische Durchführung der strafgerichtlichen Untersuchung gegen alle Urheber und Teilnehmer an solchen Exzessen und die strenge Bestrafung der Schuldigen. Um diese Untersuchung zu erleichtern, um jede Verzögerung zu verhindern, beehren wir uns, Euerer Exzellenz jene Zeugen namhaft zu machen, welche bereit sind, ihre persönlichen Wahrnehmungen über die Zablotower Exzesse vor dem Untersuchungsrichter eidlich zu bekunden, und wir stellen an Euere Exzellenz die dringende Bitte, die k. k. Staatsanwaltschaft in Kolomea ungesäumt anzuweisen, die entsprechenden Verfügungen zur Einvernahme dieser Zeugen zu treffen und zur geeigneten Zeit die Akten an das hohe k. k. Justizministerium einzufordern."