Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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18 dient, einen furchtbaren Hieb über den Kopf. Er wendete sich und erkannte den Gemischtwarenhändler Krzy wiecki, welcher noch das bezeichnete Holzstück in der Hand hielt. Mordko Burg umfasste den Krzy wiecki mit beiden Händen und fragte ihn:,, Habe ich Ihnen denn je etwas Schlechtes gethan?" Darauf erhielt er von dem E'inanzwach-Oberaufseher Skalski mit dem versorgten Säbel einen Hieb über die Schulter und Skalski rief den Bauern zu: „Schlagt diesen Juden tot! Er hat die Bäuerin geschlachtet!-' Nun regnete es Hiebe auf Mordko Burg, der zeitweilig das Bewusstsein verlor. Die wütende Menge schleppte ihn an den Mühlbach, stiess ihn von dem hohen Ufer ins Wasser hinab und bewarf ihn mit Steinen. Einige Bauern sprangen ihm ins Wasser nach und tauchten ihn mehrere Male unter. Als sie in der Meinung, dass er schon tot sei, von ihm abliessen, erhob er sich im Wasser, sah zwei bekannte Bauern, u. zw. den Josef P o z u 1 y ns k i, Sohn des Theodor, und den Fähnrich des ruthenischen- Vereines „Siez" und rief ihnen zu: „Rettet mich! Ihr kennt mich ja!" Als diese ihm beistehen wollten, stürzten die Bauern wieder heran, verhinderten die Beiden an der Rettung und schlugen neuerdings auf Mordko Burg los. Auch Pozulynski und der Fähnrich wurden geprügelt. Burg flüchtete sich nun in das nahestehende Häuschen, wo die Marktzertifikate ausgefertigt werden, und versteckte sich unter einem Tische. Die Bauern rissen die Fenster aus, drangen in das Haus ein und schleppten den Mordko Burg wieder zum Mühlbach. In diesem Augenblicke kam der Gerichtsdiener Karl K a r 1 i c z, erkannte den Mordko Burg und wehrte die Bauern von dem Halbtoten ab. Zwei Stadtpolizisten, deren Vornamen M i c h a i 1 o und 0 n u f r y lauten, trugen das furchtbar zugerichtete Opfer in das Haus des Leiser Burg. Der Schädel Mordko Burg's ist an elf Stellen durchlöchert und es ist ein wahres Wunder, dass derselbe bisher mit dem Leben davongekommen ist. An seinem Aufkommen wird noch immer gezweifelt. In vielen Judenhäusern wurden Fenster und Türen eingeschlagen und an 30 bis 40 Juden trugen schwere und leichte Verletzungen davon. Die Exzesse dauerten ungefähr eine Stunde, da die Gendarmerie weit ausserhalb der Stadt kaserniert ist und erst spät auf dem Schauplatz der Unruhen erschien. Wir konstatieren jedoch mit lebhafter Befriedigung, dass die drei Gendarmen voll und ganz ihre Pflicht getan haben und dass insbesondere der Postenführer, Titularwachtmeister Johann 0 r c z e c h, in geradezu heldenmütiger Weise sich allein der wütenden Menge entgegengestellt und teils durch gütliches Zureden, teils durch energische, aber zugleich besonnene Gewaltanwendung die Bauern zum Abzüge bewogen und so ernsteres Unheil verhütet hat. Ebenso verdient das tapfere und zugleich besonnene Verhalten des Gemeindesekretärs Karl Hübscher uneingeschränktes Lob.