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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-10-01 · 10 (10.1903) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
10 (10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 16 (sequence 19)
Language
German
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16 eine Bäuerin rituell abgeschlachtet und ihr das beim Verkaufe einer Kuh erlöste Geld abgenommen hätten. Sofort rotteten sich Tausende von Bauern zusammen, brachen in die Häuser der Juden ein, verwüsteten und plünderten und schlugen mit Knütteln und Eisenstangen erbarmungslos auf die unglücklichen Menschen los. Erst die spät anrückende Gendarmerie machte dem Greuel ein Ende, nachdem etwa vierzig Juden schwer und leicht verletzt worden waren. Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" entsendete unverweilt ihren Sekretär nach Zablotow zur genauen Erhebung des Tatbestandes und überreichte am 19. September dem Ministerpräsidenten als Leiter des Justizministeriums das nachfolgende Memorandum' . „Euere E x z e Jl e n z! Die^ „Oesterreichisch-Israelitische 'Union" hat einen Delegierten nach Zablotow entsendet, wo Freitag den 11. September d. J. blutige Exzesse gegen die Juden stattfanden, und beehrt sich, Euerer Exzellenz nachfolgenden Bericht zu unterbreiten: Am 11. September fand in Zablotow Jahrmarkt statt, zu welchem sich 5—6000 Bauern aus dem ganzen Bezirke eingefunden hatten. Im Laufe des Nachmittags kam es zwischen dem 64jährigen jüdischen Lederhändler Salomon Dulberg und einem Bauern, dessen Name nicht eruiert werden konnte, zu einem Marktstreite. Der Bauer versetzte dem Händler mehrere Stösse vor die Brust, die dieser abwehrte, worauf sich ersterer mit der Drohung entfernte: „Ich werde Dir schon zeigen!" Kurze Zeit darauf entstand vor dem Hause Dulberg's ein Auflauf, und als Dulberg von seinem Marktstande ins Haus eilte, fand er seine Wohnung mit vielen Hundert Bauern erfüllt, welche ihm erregt zuriefen: „Wo ist die abgeschlachtete Bäuerin?" Als Salomon Dulberg erklärte, dass er von einer solchen nichts wisse, durchsuchten die Bauern das ganze Haus, nahmen sodann Dulberg in ihre Mitte, schleppten ihn auf die Strasse und hieben dort mit Knütteln unausgesetzt auf den Greis ein. Der Haufe setzte sich nach dem Bezirksgerichte in Bewegung. Auf dem Wege dahin wurde Dulberg derart geprügelt und auf dem Boden geschleift, dass er das Bewusstsein verlor und gewiss sein Leben eingebüsst hätte, wenn nicht im kritischesten Augenblicke die herbeieilende Gendarmerie auf den Bauernhaufen gestossen wäre, dem sie den Halbtoten entriss und in die Räume des Bezirksgerichtes brachte. Der im Hause des Salomon Dulberg arbeitende Honigmacher Aba Eisenberg stürzte, als der Lärm begann, aus seiner im Hofe befindlichen Werkstätte. Sofort warf sich ein anderer Haufe von Bauern auf ihn mit den Worten: „Dieser Jude hat die Bäuerin geschlachtet!" Aba Eisenberg entfloh aus dem Hause Dulberg's,

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