Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 13 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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13 erstickt und alles Unglück verhütet werden können, wenn man energisch vorgegangen wäre, wenn man uns verteidigen hätte wollen. Eine Rotte von 50 bis 100 betrunkenen Bestien kann von ebensoviel Soldaten unschädlich gemacht werden, wenn man sie arretiert und besänftigt oder auseinander treibt, aber wo man ruhig zuschaut und hetzt, da natürlich kann nur ein Unglück geschehen. Unter die Meuterer darf ohne höheren Befehl (des Gouverneurs) nicht geschossen werden. Jetzt ist die Frage, warum darf auf die Juden geschossen werden, die sich verteidigen? Uebrigens hat der gute Mann zu schiessen erlaubt, im Falle sich die Unruhen wiederholen. Es hängt sehr viel davon ab, dass man im Auslande d i e Wahrheit erfahre und nicht die Nachrichten aus russischen Zeitungen nachdrucke. Die wieder bekommen die Mitteilung von den Regierungsorganen, und diese vsrdanken die Nachricht dem Mohilewer Gouverneur, und welchen Bericht dieser dem Kaiser erstatten wird, kannst Du Dir ungefähr zusammenreimen. Seine Rede wird oder wurde schon dem Lordmayor nach London geschickt und um Veröffentlichung gebeten. Im „Regierungsboten", der allem das Recht hat, die erste Nachricht zu bringen, ist die ganze Sache lügenhaft verdreht. Dort heisst es, dass die Juden aufs Militär schössen. Du kannst Dir vorstellen, zu welchen Prozessen dies Veranlassung geben kann. Vor Hetzen und Zerstörungen dürfen wir uns schon sicher fühlen, aber diese lügenhafte Erklärung kann das traurige, unglückliche Los der armen russischen Juden nur noch trauriger gestalten, und helfen kann nur die ausländische Presse, die sich vor Niemandem fürchtet und.nicht gezwungen ist, sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Niederträchtig benahmen sich die Offiziere. Es gibt Zeugen, die gehört haben, wie einer schrie: „Bej Zydow!" („Schlag die Juden!") * * * Aus Czernowitz wird gemeldet: Das „Czernowitzer Tagblatt" erhielt aus Nowosielica an der bukowinaischrussischen Grenze eine neue Meldung von blutigen Gewalttaten gegen Juden in Russland. Dem Blatte liegt aus der Grenzstadt eine, wie es sagt, authentische Meldung vor, dass es am 30. September, am Voi abende des Versöhnungstages, in M o h i 1 e w am Dnjepr, der Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, die einige Stunden v< n Kischenew liegt, zu einem blutigen Strassenkampfe zwischen der jüdischen Bevölkerung und den Bauern aus der Umgebung gekommen und auf beiden Seiten eine grosse Anzahl von Leuten getötet worden s ei. Der Rabbiner des Ortes, der von den sich vorbereitenden Unruhen erfahren hatte, Hess der jüdischen Bevölkerung eine Warnung zukommen, weshalb sie sich an dem Feiertage in den