Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Von privater Seite wird der „Zeit" nachstehender Briefeines Augenzeugen der Judenexzesse in Hornel zur Verfügung gestellt : „Die Bahnarbeiter und das Volk haben eine Judenhetze in Szene gesetzt, die der Kischenewer nicht um Vieles nachstellt. Das Zentrum der Stadt ist noch verschont geblieben und wird es hoffentlich auch schon bleiben. Wir leben in schrecklicher Angst und Aufregung. Von Montag bis Donnerstag waren alle Läden geschlossen. Heute wurden sie geöffnet und um 7 Uhr Abends schon geschlossen, während sie sonst bis nach Zehn offen bleiben. Der Gouverneur, der telegraphisch berufen wurde, kam gestern, um den Juden zu erklären, es sei ihnen nur recht geschehen. Du kannst Dir denken, welchen Eindruck diese Rede auf die Bevölkerung machte. Eine Menge Frauen und Kinder haben die Stadt verlassen. Mein Mann drängt in mich, das Gleiche zu tun und nach Moliilew zu fahren, aber ich will ihn nicht allein lassen, und dann weiss ich auch nicht, ob man sich in der Gouvernementsstadt eines so humanen Gouverneurs sehr sicher und geborgen fühlen kann. Ich habe beschlossen, zu bleiben, um so mehr, als man doch hofft, dass die Bluthunde sich beruhigt haben, und dann haben sie vor den Kischenewer Räubern Eines voraus. Dort haben sie unzählige Frauen und Mädchen ehrlos gemacht, hier benehmen, sie sich ritterlich, sie treiben sie aus dem Hause, damit Ihnen nichts geschehe, und ruinieren alsdann erst Haus und Hof, Hab und Gut, Die zu unserer Verteidigung ausgeschickten Offiziere "sollen das wütende Volk noch mehr gehetzt haben. Die ganze gute Gesellschaft hat frohlockt, die Wüteriche wurden mit Schnaps bewirtet und angefeuert, nicht nur die Häuser zu zerstören, sondern die Menschen zu töten. Um den der Plünderung anheim gegebenen Teil der Stadt wurde ein Kord<>n von Soldaten gezogen, damit die Wüteriche nicht ins Zentrum der Stadt dringen können. Die Soldaten schauten ruhig der Zerstörung zu und feuerten auf die Juden, die ihren bedrängten Mitbrüdern zu Hilfe eilten. Eine glänzende Ausnahme bildete der Polizeimeister der Stadt, Fjodor Matjewitsch Fen-Rajewsky, aber was kann ein Mensch tun? Er selber war mehr als einmal in Gefahr, von den Bestien getötet zu werden. Als der Gouverneur durch die zerstörten Strassen fuhr und ihn die Juden jammernd und weinend umringten, antwortete er ihnen höhnisch: „Gut erlebt," Im Rathaus, wo er die jüdische Deputation empfing, liess er diese gar nicht zu Worte kommen; er hielt ihnen eine donnernde Rede, sie seien nichts Besseres wert, denn die Juden sind immer frech, mischen sich stets in Dinge, die sie nichts angehen u. s. w. Der Aufruhr hätte im Keim