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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-10-01 · 10 (10.1903) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
10 (10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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11 war bereits durch Militär abgesperrt. Das war ein deutliches Zeichen, dass die Regierungsbehörde durchaus wusste, was bevorstand, und dass sie die wohlhabende Bevölkerung zu schützen bereit war. Dagegen Hess man die Bahnarbeiter ruhig nach den ärmeren Vierteln passieren, und sie begannen ein unerhörtes Verwüstungswerk namentlich in den ärmeren Strassen Die Häuser an der Techniker-, Wind- und NowakowskyStrasse wurden ausgeplündert, und als sich die Juden in Bewegung setzten, um den Plünderern entgegenzutreten, wurden sie von demMilitär zurückgetrieben. Es fanden also auch hier in Hornel Plünderungen unter direktem Schutze des Militärs statt, während der Polizeimeister und der Isprawnik sowie die gesamte Polizeimannschaft auf den Strassen nicht zu sehen waren. Da die Juden sich nicht tatlos ausplündern lassen wollten, so gab es auf beiden Seiten Tote und Verwundete. Die Zahl ist keine sehr grosse, aber ich glaube doch, dass etwa ein Dutzend Juden und ein Dutzend Christen bei der Revolte gefallen sein werden. Das Charakteristische für einen Westeuropäer ist auch in diesem Falle, dass die Staatsbehörden die Plünderungen, genau wie es zur Zeit Ignatiew's gewesen ist, patronisirt haben, und jene, die sich zur Wehr setzten, mit Kolbenstössen und Schüssen an der Selbstverteidigung hinderten. Es unterliegt für mich nicht dem geringsten Zweifel, dass, wenn die Behörden gewollt hätten, mit derselben Schnelligkeit wie am Freitag auch am Montag jede grössere Gewalttätigkeit unterdrückt worden wäre. Die Polizei hat sich am Freitag tadellos benommen, soweit ich es beurteilen kann. Für die Szenen am Montag, wobei wiederum gegen 200 Buden und Verkaufslokale der ärmsten jüdischen Bevölkerung zerstört worden sind, ist das Militär verantwortlich, und dass es nur auf höheren Befehl gehandelt hat, ist ja für den, der russische Verhältnisse kennt, selbstverständlich." Einem Briefe aus Hornel entnimmt die „Frankf. Ztg." noch, dass sich unter denjenigen, welche gegen die Juden hetzten, auch Vertreter der sogenannten „Intelligenz" und Schüler befanden. Auch in diesem Briefe wird gemeldet, dass die Soldaten die Plünderer ruhig gewähren Hessen, aber die Juden verhinderten, ihren angegriffenen Glaubensgenossen Hilfe zu bringen. Polizei war.auf den Strassen nicht zu sehen. * * *

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