Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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9 zwischen Juden und Russen. Als die Polizei die Ordnung wiederherstellen wollte, warfen die Juden mit Steinen auf diese, auch wurde aus ihrer Mitte ein Revolverschuss abgefeuert, auf den die Polizisten angeblich mit Schüssen in die Luft antworteten. Bei der Prügelei wurde ein Russe von einem Juden durch einen Messerstich in den Leib tödtlich verletzt, ein Jude sowie sieben andere Personen trugen leichte Verletzungen davon. Am 14. wiederholten sich die Unruhen. Russische Arbeiter fingen aus Rache für eine ihnen am 11. September zugefügte Kränkung an, im Juden viertel Buden zu zerstören. Bei dem Zusammenstoss mit den Juden wurden auf beiden Seiten etwa 20 oder mehr Personen verwundet. Als Truppen erschienen, wurden sie von den Juden mit Schüssjen empfanden. Infolgedessen musste von den Feuerwaffen Gebrauch gemacht werden. Gegen Abend war die Ruhe wiederhergestellt. Nach den Berichten des inzwischen in Hornel eingetroffenen Gouverneurs wurden während der Unruhen fünf verwundete Christen und neun Juden in die Stadthospitäler eingeliefert. Getödtet sind vier Christen und zwei Juden.. Nach einem späteren Bericht des amtlichen „Regierungsboten" haben bei den Unruhen am 14. September mit Messern, Dolchen, Wurfkugeln und Revolvern bewaffnete Juden dem Militär Widerstand entgegengesetzt, als es der Prügelei mit den Christen Einhalt thun wollte. Die Juden schössen aus den Häusern und hinter den Zäunen auf die Soldaten. Ein Feldwebel, der einen schiessenden Juden festnehmen wollte, wurde von einem anderen Juden durch einen Messerstich am Halse verwundet. Im ganzen wurden während der Unruhen vier Christen und vier Juden getödtet, verwundet sieben Christen und acht Juden, von denen einer starb. Die bisher festgestellte Zahl der zerstörten Häuser und Buden beträgt 200. 68 Personen wurden wegen Teilnahme an den Ausschreitungen verhaftet. Fälle von Raub wurden angeblich nicht festgestellt. Das Militär' hält die Ruhe aufrecht. Offiziere und Justizbeamte bezeichnen die Haltung der Polizei bei der Unterdrückung der Unruhen als tadellos. Nur den Anordnungen des Polizeimeisters sei es zu verdanken, dass die Unruhen auf einen verhältnismässig unbedeutenden Kreis beschränkt blieben. Die Ursache der Unruhen ist nach der Ueberzeugung der „gutgesinnten" Bevölkerung in der äusserst feindseligen, herausfordernden Haltung dijr Juden gegen die christliche Bevölkerung zu suchen. Von einen Augenzeugen der Ausschreitungen geht dem „Berliner Tageblatt" eine Schilderung der Vorgänge zu, welche dieUnrichtigkeitderDarstellungdesamtlichen russischen Blattes erweist. Der Gewährsmann des Blattes, ein Christ, also ein völlig Unparteiischer, schreibt: „Wir sind nur mit knapper Not einem zweiten Kisc heil e w entgangen. Die letzten Ursachen der Krawalle gehen bis in den April zurück. Wie überall, so hat auch hier die